Auf dem Weg nach Stuttgart

Volker Münch

Von Volker Münch

Mi, 10. Februar 2016

Müllheim

BBM will in der Landeshauptstadt nochmal richtig Druck machen.

MÜLLHEIM/STUTTGART. Mehr als 4200 Unterschriften hat das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) gesammelt und will diese am kommenden Dienstag, 16. Februar, in Stuttgart Spitzenpolitikern des Landes überreichen. Die Delegation wird von 180 Bürgern begleitet – wenn es nicht noch mehr werden, denn es melden sich täglich weitere Interessenten, wie Helmut Schmitt vom BBM erfreut feststellt. In der Landeshauptstadt wird für eine Verbesserung der beschlossenen Maßnahmen mit Transparenten, Plakaten und Traktoren demonstriert.

Dass die Landtagswahl in unmittelbarer Reichweite liegt, kommt den Organisatoren des Bürgerbündnisses zupass. Schließlich geht es dem BBM und den beiden betroffenen Kommunen Auggen und Müllheim um Nachbesserungen beim Ausbau des dritten und vierten Gleises, um einerseits die Bürger besser zu schützen, den Bahnbetrieb zu optimieren und andererseits eine Verschandelung der Landschaft zu verhindern.

Die Ausgangslage
"Wir haben den Beschluss des Projektbeirates mitgetragen, auch wenn er weit von unserer optimierten Lösung entfernt ist", erklärt Helmut Schmitt die Ausgangslage. Durch die Akzeptanz des Beschlusses können nun die Mittel, die für den Ausbau zwischen Offenburg und Schliengen gebraucht werden, freigegeben und die Bürgertrasse in Angriff genommen werden. Nicht einverstanden ist die Region mit der geplanten Umsetzung des Streckenabschnittes zwischen Hügelheim und Auggen. "Hier wurde der ursprüngliche Planungsabschnitt 9.0 verkürzt und in zwei Abschnitte aufgeteilt", erklärt Schmitt weiter. Das hat Auswirkungen auf die Höhe der Finanzmittel: Sprechen Bahn und Politik von 56 Millionen Euro für den hiesigen Abschnitt, so sei das nicht korrekt, betont der BBM-Vertreter. Allein der Hügelheimer Knoten verschlinge 18 Millionen Euro, die aus dem heutigen Planungsabschnitt abgezogen werden. "Und damit ist der Beitrag für Verbesserungen in unserem Bereich deutlich geringer", ärgert sich Schmitt über die offizielle Darstellungsweise.

Und was bekommen nun Hügelheim, Müllheim und Auggen für die restlichen 30 Millionen Euro? "Hier entstehen bis zu neun Meter hohe Lärmschutzmauern, die die Landschaft empfindlich beeinflussen", berichtet BBM-Vertreter Werner Kleinfelder. Das allein müsste Grund genug für jeden Bürger in den betroffenen Orten sein, sich gegen die Verschandelung der Region zu wehren.

250 km/h – eine Utopie?
Dass das Bauvorhaben so teuer wird und dabei entsprechend hohe Wände erfordert, ist der Zielvorgabe der Bahn, in diesem Streckenabschnitt 250 Kilometer pro Stunde fahren zu wollen, geschuldet – eine laut Berechnungen des BBM sinnlose, weil kaum zeitsparende, dafür aber umso teurere Planung. Deshalb fordern das BBM und seine Mitstreiter, auf diese Höchstgeschwindigkeit zu verzichten und die eingesparten Millionen in die optimierte Lösung zu investieren. "Das eingesparte Geld würde einen wertvollen Beitrag zur geforderten Tieferlegung leisten", betont Helmut Schmitt.

Schon eine Teiltieferlegung und niedrigere – auf etwa zweieinhalb Meter beschränkte – Schallschutzwände würden dem Wunsch der betroffenen Bürger entgegenkommen. Auftrieb für die Forderung nach einer Geschwindigkeitsreduzierung hat das BBM durch eine Aussage von Bahnchef Rüdiger Grube bekommen. Der habe, so die BBM-Vertreter, kürzlich erklärt, dass Geschwindigkeiten von 250 km/h und mehr aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll seien. Als Reaktion solle die vierte Generation des ICE jene Geschwindigkeit gar nicht mehr erreichen. "Trotzdem hält die Bahn an der Forderung für unseren Streckenabschnitt fest", ärgern sich die BBM-Mitglieder.
Was passiert in Stuttgart?
Den Forderungen nach Verbesserungen und einer Offenlegung der bisher nach Ansicht des BBM intransparenten Bahn-Kalkulationen soll nun eine Demonstration in Stuttgart vor dem derzeitigen Sitz des Landtags beim Kunstgebäude am Schlossplatz Nachdruck verleihen. Für diese Aktion am kommenden Dienstag haben sich bereits 180 Menschen angemeldet. "Entsprechende Busse haben wir gechartert. Wer noch mitfahren möchte, sollte sich schnell anmelden", rät Schmitt. Vom Maschinenring Rems-Murr-Kreis werden Traktoren für die Transparente gechartert. Die Fahrt ist für die Teilnehmer kostenlos. "Natürlich freuen wir uns über Spenden", betont Kleinfelder. Im Gepäck hat das Bürgerbündnis rund 4200 Unterschriften, die an prominente Landespolitiker – bei der SPD nimmt Claus Schmiedel, für die CDU Spitzenkandidat Guido Wolf, für die FDP Jochen Haußmann und für die Grünen ein bisher nicht genannter Vertreter die Listen entgegen – überreicht werden sollen. Dem Termin werden sich auch viele der hiesigen Abgeordneten anschließen.

Reisedaten
Es fährt ein Sammelbus von Bad Krozingen: Abfahrt 6.45 Uhr Westseite Bahnhof Bad Krozingen, 6.55 Uhr B3 Heitersheim, 7 Uhr B3 Seefelden, 7.05 Uhr Buggingen Lindenplatz, 7.20 Uhr Hügelheim Winzergenossenschaft. 7.30 Uhr Bürgerhaus-Parkplatz Müllheim. Der zweite Bus fährt um 7.30 Uhr bei der Hügelheimer Winzergenossenschaft los, zwei weitere Busse fahren um 7.30 Uhr an der Sonnenberghalle in Auggen los. Die Busse vereinen sich bei einem Stopp an der Abfahrt Pforzheim-Ost. Die Demonstration beginnt pünktlich um 12 Uhr in der Münzstraße in Stuttgart. Rückfahrt ist spätestens 14 Uhr.

Info: Interessenten für die Protestfahrt können sich noch bei Helmut Schmitt unter Tel. 0151/50181103 anmelden.