Ein Konzertabend zum Verlieben

Erik Stahlhacke

Von Erik Stahlhacke

Mi, 08. Juni 2016

Müllheim

Das Müllheimer Vokalensemble besingt bei seinem Konzert in der Martinskirche Freud und Leid der Liebe.

MÜLLHEIM. Herzen auf den Notenmappen, Schokoherzen auf den Stühlen der Zuschauer und ein Plüschherz am Notenpult – am Samstagabend drehte sich in der Martinskirche alles um die Liebe. Das Müllheimer Vokalensemble unter der Leitung von Anette Hall klopfte beim Jahreskonzert den Staub aus dem vielbesungen Thema. Ein frisches Konzertprogramm mit stimmstarkem Chor und tollen Solisten ließ die Herzen der Zuschauer höher schlagen.

Bevor die rund 25 Musikerinnen und Musiker loslegten, begrüßte Anette Hall die Zuschauer in der vollbesetzten Martinskirche und stellte anschließend den neuen ersten Vorstand des Chores, Hans-Josef Moes, vor. Was dann folgte, war eine Zeitreise durch die Geschichte der Liebeslyrik und des Liebesgesangs. Das fing an bei deutschen Volksliedern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dem Chor gelang mit getragenen Stücken, wie "Mit Lieb bin ich umfangen", ein vielversprechender Einstieg. Anschließend zeigte das Ensemble mit "Belle, qui tiens ma Vie" eine französische Pavane und verschob damit die "Liebesperspektive" auf einen anderen Kulturraum.

Die engagierte Anette Hall lenkte die Frauenstimmen durch kristall’ne Höhen und die zahlenmäßig unterlegenen aber hervorragenden Männerstimmen durch den teils sehr tiefen "Keller" der Partituren. Begleitet wurden die Sänger von Lendvai Zsolt am Klavier. Zum Glück hatte er mit Beethovens "Für Elise" auch ein Stück nur für sich. Den Evergreen spielte er mit einer Menge Gefühl. Das brauchte er auch für den "Liebesruf eines Faun", den er gemeinsam mit Felix Moser am Englischhorn spielte – ein Duett zum Verlieben.

Neben den klasse Instrumentalisten konnte der Chor mit Nadine Trefzer auch eine klasse Sopranistin gewinnen. Höhepunkte waren sicherlich ihre Auftritte zusammen mit Anette Hall, etwa bei "Wir Schwestern zwei, wir schönen". Da sangen sie "Wir schlafen in einem Bett". Ihre fast schon schauspielerische Darbietung sorgte für einige Lacher. Jazzig und schnell kam "Dream a little Dream of me" aus den 40er Jahren daher. Das Variantenreichtum des Ensembles beeindruckte.

Und da Liebe nicht immer nur schön ist, war es nur folgerichtig, dass das Duett von Hall und dem Basssänger Werner Dold "Boote der Nacht" melancholisch angehaucht war. Das emotionale, nachdenkliche, fast traurige Stück sagte: "Was nicht sein kann, kann nicht sein". Stimmungsmäßig ging es dann wieder rasch bergauf, "Love is a Flame" war der letzte Song des Abends und gleichzeitig der, der die Liebesrezeption in zeitgenössischer Musik widerspiegelte. Eine einprägsame Melodie, moderner Text und poppiger Rhythmus – da wurde das Publikum noch mal richtig mitgerissen. Am Ende gab’s zurecht viel Applaus und zwei Zugaben. Ja, die Liebe hat viele verschiedene Facetten. Und das Konzert hatte all diese Facetten aufgezeigt. Auch interessant: Grundmotive wie Hoffnung, Leidenschaft und Kummer haben sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Das Ensemble hatte erkannt: Liebe ist eben universell, genau wie die Musik.