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14. Juli 2013 17:35 Uhr

Anti-Atom-Demo

Kernkraftgegner fordern bessere Vorkehrungen für Atom-Unfälle

Mit einem Protestzug haben Atomkraftgegner gegen die Evakuierungspläne bei einem schweren Störfall in Fessenheim protestiert. Sie halten die Katastrophenschutzpläne des Regierungspräsidiums für unzureichend.

  1. Ein Protestzug ist am Sonntag auf der B 3 nach Heitersheim gezuckelt. Foto: Dorothee Philipp

  2. Gespenstische Szenerie: Auf dem Parkplatz in Heitersheim wartete ein „Dekontaminierungszelt“ auf die Demo-Teilnehmer. Foto: Dorothee Philipp

Rund 80 "Fluchtfahrzeuge", darunter eine große Zahl von Traktoren, beteiligten sich am Sonntag an der "Evakuierungs-Übung" des deutsch-französischen Aktionsbündnisses "Fessenheim stilllegen. Jetzt!". Vom Parkplatz des Müllhe imer E-Centers an der B 3 fuhr der Konvoi nach Heitersheim, wo auf dem Parkplatz an der B 3 Informationsstände aufgebaut waren.

Darunter war ein "Dekontaminationszelt" und eine Präsentation der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), vertreten durch den Müllheimer Allgemeinmediziner Dr. Jörg Pflieger. "Wir wollen mit dieser Aktion darauf hinweisen, von welch unrealistischen Voraussetzungen die derzeit vorhandenen Katastrophenschutz- und Evakuierungspläne des Regierungspräsidiums ausgehen", sagte Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein.

Noch immer gelte ein Evakuierungsradiusvon acht Kilometern um das AKW Fessenheim, in Wirklichkeit seien bei einem schweren Störfall beidseits des Rheins eine Million Menschen betroffen. "Es gehört zu den Aufgaben der grün-roten Landesregierung und der von ihr eingesetzten Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, noch in dieser Legislaturperiode für einen funktionierenden Katastrophenschutz zu sorgen", fasste Mayer die Zielrichtung dieser Aktion zusammen.

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Wie hoch sind die finanziellen Risiken eines Super-GAU?

Auch für den Architekten und aktiven Feuerwehrmann Michael Sellner aus Buggingen hat die Aktion ihre Berechtigung. "Bei einem Unfall im AKW sind nicht nur die Menschen, sondern auch die Immobilien betroffen. Selbst wenn sich die Leute retten können, dann sitzen sie irgendwo in einer Turnhalle und der Kredit für das Haus läuft weiter", beschreibt er den "worst case". In Japan habe die TEPCO, die Betreiberin des Meilers in Fukushima, den geflohenen Bewohnern angeboten, ihre unbewohnbaren Häuser zum aktuellen Zeitwert, also zu einem Ramschpreis, abzukaufen. Das zeige, dass auch die finanziellen Risiken eines Super-GAU auf die Gesellschaft abgewälzt würden.

Nachdenklich wurden viele angesichts der Präsentation der IPPNW, aus der unter anderem hervorgeht, dass die Erdbevölkerung schon jetzt von einer permanenten Niedrigstrahlung betroffen ist, die von verschiedenen AKW-Störfällen und Tausenden von Atomtests in früheren Jahren stammt. Diese Niedrigstrahlung gelte als Ursache der Zunahme einer Vielzahl von Erkrankungen, die Nerven, Atemorgane, Verdauungsorgane und Knochen betreffen, was schon jetzt auch ein volkswirtschaftliches Problem darstelle, sagte Pflieger.

"Wir haben heute bewusst auf Luftballons verzichtet, das Thema ist einfach zu ernst" erklärte die grüne Kreis- und Gemeinderätin Dora Pfeifer-Suger aus dem Organisationsteam. Stattdessen konnte man kleine grüne Windräder aus Papier mit nach Hause nehmen.

Aus Sicht der Polizei verlief die Demonstration reibungslos, obwohl der Konvoi für die zehn Kilometer fast zwei Stunden gebraucht hatte und einige Autofahrer ihren Unmut gezeigt hatten. "Viele Autofahrer waren ortskundig und konnten auf Nebenstrecken ausweichen", sagte Polizeihauptkommissar Roland Nussbaumer vom Polizeirevier Müllheim. So habe sich der Rückstau in Grenzen gehalten. Acht zusätzliche Einsatzkräfte seien für die Aktion abgestellt worden.

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Autor: Dorothee Philipp