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12. Januar 2010

Scharfe Kritik beim Neujahrsempfang

THW Müllheim klagt über Beschaffungspolitik der Bundesleitung

MÜLLHEIM (mps). Hubertus Bosse, neuer Landesbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW), wird sein erster Besuch beim Neujahrsempfang des Müllheimer Ortsverbandes noch lange in Erinnerung bleiben: Der stellvertretende Ortsbeauftragte Patrick Weisser kritisierte scharf die mangelnde Beschaffungspolitik der Bundesleitung, die den Ortsverband im schlimmsten Fall handlungsunfähig mache.

Vertreter der Feuerwehren, der Polizei, des DRK und der politischen Gemeinden waren der Einladung der Müllheimer THW-Helfer zum traditionellen Empfang gefolgt. In einem kurzen Vortrag präsentierte Ortsbeauftragter Patrick Winterhalter eindrucksvolle Zahlen. So leistete das THW Müllheim 42 Einsätze, die sich teils über mehrere Tage erstreckten, nahm an Ausbildungsveranstaltungen und Wettbewerben teil. Die personelle Zukunft sei auch durch die ausgezeichnete Jugendarbeit, aus der seit kurzem fünf neue Helfer rekrutiert werden konnten, gesichert, freute sich Winterhalter. Im vergangenen Jahr baute der Ortsverband zahlreiche Brücken, um entweder durch Naturkatastrophen zerstörte Brücken zu ersetzen oder Flussübergänge im Zuge von Bauarbeiten – wie an der Zollfreien Straße zwischen Lörrach und Weil – bis zur Fertigstellung neuer Brückenbauwerke zu gewährleisten. Auch unterstützten die Einsatzkräfte des THW immer wieder die Feuerwehren bei Großeinsätzen, stellten Beleuchtungstechnik für den Zoll und die Polizei bei verschiedenen Anlässen zur Verfügung, bargen mit dem Mobilkran Fahrzeuge und unterstützten beim Nato-Gipfel im Frühjahr 2009.

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Deutlich wurde, dass der Müllheimer Ortsverband einer der aktivsten und wichtigsten Einheiten auf Landes- und auch auf Bundesebene sei, das bestätigte auch Landesbeauftragter Hubertus Bosse. Und doch liegt aus der Sicht der Müllheimer einiges im Argen, wie Winterhalters Stellvertreter Patrick Weisser berichtete. Gerade der Brückenbau, eine der Kernaufgaben des Müllheimer Ortsverbandes, könnte nach einem von Weisser dargestellten Szenario bald in Frage gestellt sein. Danach könnte, sollten Bundes- und Landesleitung ihre Positionen nicht ändern, die Müllheimer Einheit bald ihrer Arbeitsgeräte beraubt und zur Handlungsunfähigkeit verurteilt sein.

Grund: Die Überalterung verschiedener Fahrzeuge und fehlende Ersatzbeschaffungen. Ein Beispiel von mehreren: der Mobilkran. Er soll durch einen Lastwagen mit einem kleinen Lastkran, der weder die erforderliche Tragkraft noch die Reichweite des Kranarmes für den Bau von Brücken hat, ersetzt werden. "Der Ortsverband wird dann de facto abgebaut", stellte Weisser fest und fügte hinzu: "Eigentlich dürften wir unsere Kritik gar nicht öffentlich äußern." Weil er schlimmste Auswirkungen auf die befreundeten Hilfsorganisationen und auf die Gemeinden im Einzugsgebiet des Müllheimer THW befürchte, könne er aber nicht mehr stillhalten, sagte Weisser und rief zu Solidarität auf. Dass das Verhalten und die Untätigkeit der THW-Leitung im Gegensatz zum aktuellen Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung stehe, die den Bürgerschutz in den Vordergrund stelle und ausbauen wolle, führe zu einer paradoxen Situation. "Wir wollen wenigstens den Ausrüstungsstand halten und nicht nach den Vorstellungen des THW-Leitung rückentwickeln", sagte Weisser.

Entsprechende Unterstützung sagte Müllheims Bürgermeister René Lohs auch im Namen seiner Kollegen zu: "Das kann uns Bürgermeister nicht unbeeindruckt lassen, zumal hier hervorragende Arbeit geleistet wird."

Etwas bitter aufgestoßen hatte dem Landesbeauftragten die Feststellung, die Kritik dürfe nicht öffentlich geäußert werden. "Im THW herrscht Meinungsfreiheit", betonte Hubertus Bosse. Allerdings war von ihm auch nicht zu hören, dass die Müllheimer Kritik fern der Realität gewesen wäre.

Autor: mps