Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Juni 2015

Weinende und lachende Augen

Reaktionen zum Projektbeirat.

MARKGRÄFLERLAND (BZ/hub). Auch am Tag vier nach der Projektbeiratssitzung zum Ausbau der Rheintalbahn beschäftigen die Entscheidungen die Gemüter in der Region – vor allem in den betroffenen Gemeinden Müllheim und Auggen. Am deutlichsten formuliert das Bürger Bündnis Bahn Markgräflerland (BBM) seine Enttäuschung über den Entschluss des Beirats, die sogenannte Optimierte Kernforderung 6 (OKF 6) mit einer Tieferlegung der Güterzugtrasse abzuweisen.

Zwar seien die Beschlüsse des Projektbeirats in Summe ein Erfolg für die unter dem Dach der IG Bohr zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen, heißt es in einer Pressemitteilung des BBM, "umso unverständlicher ist die Entscheidung zulasten des Markgräflerlandes: Während zwischen Offenburg bis Buggingen die Güterzüge in Tunnels geführt werden, oder die Neubaustrecke von den Wohnbebauungen weggerückt und dort, wo dies nicht möglich ist, tiefergelegt wird, sollen diese Grundsätze nicht für das Markgräflerland gelten dürfen", beklagt das BBM. "Hier bleibt es mit der Antragstrasse bei einer nach rein funktionalen Gesichtspunkten geplanten Bahnanlage, die auf die Belange der Menschen, der Landwirtschaft und der Kommunen keinerlei Rücksicht nimmt." Das BBM fordert die Gemeinden Müllheim und Auggen auf, sich auf dem Klageweg gegen die nun zu erwartende Planfeststellung zu wehren.

Werbung


Müllheim und Auggen wollen Klage prüfen

Eine Klage mindestens zu prüfen – das versprechen Müllheim und Auggen tatsächlich, wie einer gemeinsamen Presseerklärung aus den beiden Rathäusern zu entnehmen ist, in der noch einmal beklagt wird, dass die über den reinen Lärmschutz hinausgehenden Vorteile der OKF 6 vor allem von der Landesregierung ausgeblendet worden seien . Dort ist aber nicht nur von einem "weinenden", sondern auch von einem "lachenden Auge" die Rede. "Gemessen an der Situation vor rund drei Jahren, als noch die alte Antragstrasse mit Schienenbonus und passivem Schallschutz vor der Planfeststellung stand, stehen die beiden Kommunen natürlich einerseits nun deutlich besser da", heißt es in der Erklärung.

Die Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Bärbl Mielich, kritisiert derweil Äußerungen von CDU-Politikern als polemisch. "Die Reaktionen erwecken den Eindruck, dass vor allem parteipolitische Motive eine Rolle spielen. Damit wird die Realität komplett verdreht", beklagt Mielich. "Der Ausbau der Rheintalbahn ist und bleibt ein Projekt des Bundes und der Bahn. Das Land und Winfried Hermann als Verkehrsminister haben von Beginn an deutlich gemacht, dass optimaler Lärmschutz ein zentrales Anliegen der Landesregierung ist und gleichzeitig auch der einzige Hebel, um eine freiwillige Landesfinanzierung in dieser Größenordnung zu rechtfertigen. Wir haben für die Region in den letzten Monaten gekämpft, dass die Forderung nach Tieferlegung in Müllheim und Auggen umgesetzt wird. Das wäre allerdings nur sinnvoll gewesen, wenn die Bahn gleichzeitig auf die Schaffung der Höchstgeschwindigkeitstrasse verzichtet hätte. Dazu war diese nicht bereit", gibt Mielich zu bedenken.

Autor: bz