Wie kommt Tempo in die Energiewende?

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Fr, 11. Dezember 2015

Müllheim

Fachgespräch mit Grünen-Abgeordneten und Energieexperten bei den Stadtwerken Müllheim-Staufen.

MÜLLHEIM. "Klimawandel und Energiewende – wie bekommen wir mehr Tempo in den Umbau?" Diese Frage war Thema eines Fachgespräches, zu dem die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl und die Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich (beide Bündnis 90/Die Grünen) in Müllheim geladen hatten. Mit insgesamt neun Vertretern der Bürgerenergie Südbaden (BEGS), der Bürgerwindrad Blauen EEG, der EWS Schönau, des Solarunternehmens Fesa GmbH, der Ökostromgruppe Freiburg und der Stadtwerke Müllheim-Staufen diskutierten die beiden Politikerinnen über grundlegende Probleme, welche sich den Akteuren vor Ort bei der Energiewende stellen. Binnen eineinhalb Stunden kristallisierten sich dabei mehrere Kernpunkte heraus.

So standen die geplanten Nord-Süd-Stromtrassen und der damit verbundene Transport von Windstrom in der Kritik. Sylvia Kotting-Uhl habe sich inzwischen zwar überzeugen lassen, dass große Industriecluster wie beispielsweise das Rhein-Main-Gebiet ohne einen Netzausbau nicht auskämen. Konsens herrschte jedoch darüber, dass eine dezentrale Stromerzeugung erreicht werden müsse. Auch um die Energiewende vor Ort weiter vorantreiben zu können. Um solch ein dezentrales System zu fördern, hatte Josef Pesch (Fesa GmbH) auch einen klaren Vorschlag: Je weiter weg der Strom erzeugt wird, desto höher sollen die Netzentgelte sein. "Das wäre ein Anreiz, den Strom lokal zu erzeugen."

Sorgen bereiten den Akteuren vor Ort nämlich die derzeitigen Rahmenbedingungen. Peter Schalajda (Bürgerwindrad Blauen EEG) mahnte eingangs an, die Ausschreibung für Windräder strikt nach Nord und Süd zu trennen. Aufgrund der konträren Gegebenheiten – flaches Land im Norden, bergiges im Süden – liegen entsprechend auch die Kosten in unterschiedlicher Höhe, zum Nachteil südlicher Interessenten. Ohnehin drangen bei den Teilnehmern Bedenken durch, dass beispielsweise die kleinen Genossenschaften zunehmend ins Hintertreffen geraten. Das finanzielle Risiko, welches sie inzwischen eingehen müssten, sei oftmals zu groß. Problem seien die derzeitigen gesetzlichen Vorgaben. "Sie sind zugeschnitten auf die vier großen Energiekonzerne", kritisierte Johann Ruppert (BEGS).

Mehr Unterstützung von der Politik in der Energiewende forderte unter anderem Bernhard Genswein (Bürgerwindrad Blauen EEG). "Der Bürger wird ein Stück weit allein gelassen", bemängelte er. Die Politik halte sich bei den Auseinandersetzungen vor Ort vornehm zurück.