Bis die Schokoküsse platzen

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Do, 06. September 2018

Münstertal

Beim Ferienprogramm in Staufen experimentieren Kinder in den IKA-Laboren / Zwölf Auszubildende beginnen ihre Lehre.

STAUFEN. Im Rahmen des Ferienprogramms bieten die IKA-Werke jedes Jahr zwei Programme für Kinder an. Morgen stehen Mechanik und Geräte aus der Produktion des Unternehmens im Vordergrund – am vergangenen Montag bereits durften die Kinder im Versuchslabor ihre Kenntnisse in Chemie erweitern. Was nicht immer sauber, aber ganz ohne Malheur abging.

"Macht das bloß nicht zuhause." Thomas Ketterer, der Betreuer des Programms, wischt übergelaufene Farbe mit einem Tuch vom Tisch auf. In zwei Töpfen brodelt derweil bei 94,1 Grad indigoblauer Farbstoff, das gehört zum ersten der vielen Experimente an diesem Vormittag, die die vier Mädchen und vier Jungs unternehmen dürfen. Indigoblau ist nun mal sehr intensiv und nur schwer von Küchenmöbeln und Teppichen, aber auch von der Haut und aus Kleidung zu entfernen, deshalb tragen die Kinder ganz professionell Laborkittel und Gummihandschuhe, dazu eine Schutzbrille. Gefärbt werden Schlampermäppchen und Turnbeutel, nach fünf Minuten Erhitzung werden sie ausgewaschen und kommen dann bei 75 Grad in den Trocknungsofen.

Auch den Auszubildenden stehen Experimente bevor

Ein Gerät übrigens, das man sich auch für die eigene Küche wünschen würde, denn die Temperatur des Ofens aus der Produktion der IKA lässt sich auf den Zehntelgrad genau einstellen. Und auch viele andere der blauen Instrumente, die im Versuchslabor stehen, ließen sich in Privathaushalten verwenden. Nur dass bei diesen Geräten auf die Kommastelle genau Drehzahl und Temperatur eingestellt werden können, denn IKA produziert Präzisionsinstrumente für die Industrie: Mixer, Rührer, Mühlen, Pumpen – die Reihe ist fast unendlich. Nur für die bereitstehende Vakuumpumpe hätte man privat wohl keine Verwendung. Unter einem Glasdeckel liegt ein schlapp aufgeblasener Ballon, daneben stehen zwei Kartons Schokoküsse. Wenn man nun … Aber dazu später.

Wie mischt man Wasser und Öl? Eigentlich geht das gar nicht – es sei denn, man hat beide Substanzen, und dazu ein paar Duftstoffe, in eins der kleinen IKA-Röhrchen eingefüllt, in denen sich ein Metallrotor mit 6000 Umdrehungen pro Minute bewegt. Er drückt die Flüssigkeit gegen eine feste Metallstrebe im Röhrchen, und nach ein paar Sekunden vermischt sich alles zu einer wohlriechenden Handseife.

Jo und Paul hantieren derweil mit Substanzen, die ein Reagenzglas zum Leuchten bringen können. Die Zutaten müssen in der richtigen Reihenfolge ins Glas und dann gedreht, nicht geschüttelt werden. Dann Wasser dazu, ein paarmal richtig gut schütteln und die Flüssigkeit beginnt tatsächlich zu leuchten. Maria und Emma lernen derweil in einem gesicherten Glaskasten, was passiert, wenn man stinkende Pulver und Flüssigkeiten richtig zusammenmixt: Man bekommt wohlriechende Ergebnisse. Benzoesäure, Ethanol und Schwefelsäure riechen – nach Zusammenrühren und Erwärmung – lieblich-fruchtig, und Butanol mit Essigsäure und Schwefelsäure vermengt ergibt Apfelaroma. Aber bitte nicht trinken, nur riechen, das heißt ganz Profi die aufsteigenden Dämpfe mit der Hand zur Nase fächeln.

Im Labor nebenan wird’s eng: Zwölf junge Leute drängen in den Raum. Für sie, zwei weibliche und zehn männliche Azubis, ist heute Arbeitsbeginn; sie starten ihre Ausbildung in acht verschiedenen Berufen, vom Industrie-Mechaniker bis zum Bachelor in Elektrotechnik im Rahmen des Dualen Studiums. Ihnen stehen zu Beginn nicht nur ein paar Stunden im Versuchslabor, sondern mehrere Wochen in der hauseigenen Lehrwerkstatt bevor. Die Ausbildung beinhaltet unter anderem die Möglichkeit, mehrere Wochen eine Tochtergesellschaft zu besuchen und dort internationale Ableger der Firmengruppen kennenzulernen. IKA hat in zahlreichen Ländern Niederlassungen, darunter in den USA, England und China.

Aber was passiert denn nun mit dem Luftballon, wenn man unter dem Glasdeckel ein Vakuum herstellt? Das schlappe Teil wird immer größer, denn die Luft im Ballon dehnt sich aus – bis er platzt. Was übrigens, unter großem Staunen und Interesse der Kinder, auch mit Schokoküssen klappt. Aber wie gesagt: "Macht das bloß nicht zuhause."