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20. Juli 2012

Milcherzeuger fordern einen fairen Preis

Überlebenschance für Höhenlandwirte nur mittels Tourismus: CDU-Politiker und BLHV-Vertreter informieren sich über die Lage der Landwirte im Münstertal.

MÜNSTERTAL. Idyllische Mittagsruhe im Halbschatten am Stalleingang zum "Tännlebuckhof" in Münstertal. Ganz so idyllisch ging es indes im Kreis der landwirtschaftlichen und politischen Prominenz dann doch nicht zu, denn das Thema Milcherzeugung und nicht zuletzt Fragen zur Existenzsicherung von Schwarzwälder Bauernhöfen bergen eine Fülle von Diskussionsstoff.

Der Einladung der Münstertäler Landfrauen unter Leitung ihrer Vorsitzenden Ulrike Schelb waren ins Münstertal gefolgt der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab, der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster, der CDU-Landtagsabgeordnete Patrick Rapp, der CDU-Ortsvorsitzende Harald Franke sowie mehrere Landwirte und Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Am Beispiel des Tännlebuckhofes der Familie Gabi und Max Ortlieb in Sichtweite des Klosters St. Trudpert konnte exemplarisch nachvollzogen werden, wie ein Vollerwerbsbetrieb im Schwarzwald mit 50 Milchkühen und nochmals so viel Jungtieren auf einer Fläche von gut 80 Hektar die Bereiche Landwirtschaft, Landschaftspflege und Tourismus zusammenführen muss, um überleben zu können.

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Ein großes Problem auf einem Bauerngehöft stellt – trotz aller technischer Hilfsmittel – die Personalsituation und damit die Arbeitszeit dar. Wenn Bäuerin Gabi Ortlieb feststellt, dass sie eine heute im Arbeitnehmerleben übliche 35- bis 40-Stunden-Woche schon am Dienstagabend absolviert hat, dann bleibt diese These auch bei den ebenfalls stark ausgelasteten Politikern aus Europa, Bund und Land unwidersprochen.

Als ausgewiesener Bioland-Betrieb erlöst der Tännlebuckhof derzeit etwa 14 Cent pro Liter Milch mehr als konventionelle Milchbetriebe, kostendeckend ist das dennoch nicht, sagt Bäuerin Gabi Ortlieb. Nur durch das zweite Standbein von vier Ferienwohnungen ("Ferien auf dem Bauernhof") erzielt der Betrieb die finanziellen Mittel, die zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs in die Milchwirtschaft investiert werden müssen. "So kann es nicht weitergehen", findet Bäuerin Gabi Ortlieb und wird dabei von ihren Kolleginnen aus dem Kreis der Landfrauen unterstützt.

Seitens der BLHV-Vertreter wird ein Gesamtkonzept gefordert für die künftige Höhenlandwirtschaft im Südschwarzwald. "Im Bereich der Milchwirtschaft und speziell beim Milchpreis haben wir nicht den geringsten Einfluss", beklagen die einheimischen Landwirte. Karl Rombach, BLHV-Vorsitzender aus dem Dreisamtal und seit Jahren Lieferant von Jungvieh auf die Münstertäler Weiden, kritisiert die unangemessene Entlohnung der milcherzeugenden Bauern.

Aus der Sicht der Politiker gibt es nach wie vor in der deutschen Agrarpolitik ein Nord-Süd-Gefälle angesichts großer Milchfabriken im norddeutschen Flachland mit 200 und mehr Tieren. Auf dieser Basis könne die Agrarpolitik nicht dem Spiel der freien Kräfte überlassen werden, zumal das System der bisher geltenden Milchquoten den Preisverfall nicht habe aufhalten können, sind sich Landwirte und Politiker weitgehend einig.

Thomas Coch, Leiter der Ferienregion Münstertal-Staufen, nennt als ganz konkrete Hilfe für die Münstertäler Landwirte die sogenannte "Ziegenprämie", welche die Gemeinde Münstertal aus dem Topf der Kurtaxe an die Landwirte für ihr Engagement in der Landschaftspflege auszahle. Andreas Schwab appelliert abschließend an seine Kollegen auf Bundes- und Landesebene, in Sachen Höhenagrarwirtschaft die Interessen zu bündeln.

Autor: Manfred Lange