"Gutes Gefühl füreinander"

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Do, 01. Dezember 2016

Murg

Feuerwehrmusik Murg und Dirigent Robert Rüegsegger sind glücklich mit neuer Zusammenarbeit.

MURG. "Die Musiker sollen erkennen, dass die Musik nicht in den Notenblättern steht." Mit dieser kurzen und prägnanten Formulierung beschreibt der neue Dirigent der Feuerwehrmusik Murg, Robert Rüegsegger, sein wichtigstes Anliegen. Er ist der Nachfolger von Ehrfried Bäumle, der im Sommer nach vier Jahren in Murg sein Abschiedskonzert gegeben hatte.

Bäumle leitet auch den Musikverein Harpolingen und gab wegen der Doppelbelastung das Amt in Murg ab. Als die Kapelle den Verband über die Vakanz am Dirigentenpult informiert hatte, ergab sich der seltene Glücksfall, dass ein potenzieller Nachfolger selbst auf den Verein zutrat. Rüegsegger ist 60 Jahre alt, wohnt in Kleindöttingen/Schweiz und ist im Hauptberuf Betriebstechniker. Er ist ausgebildeter Bläser und spielte als Tubist, Trompeter und Klarinettist in "sehr guten Formationen", ehe er von 1976 bis 1981 "etwas Seriöses" studierte, wie er lachend sagt, nämlich Betriebswirtschaft.

Doch mit Ende 20 merkte er, dass er mehr über die Musik erfahren wollte, und nahm in Basel das Dirigierstudium auf, das er in Trossingen und Hamburg zu Ende führte. In dieser Zeit erlernte er auch das Schlagzeugspiel. Rüegsegger leitete das sinfonische Blasorchester in Schwyz, die Stadtmusik Waldshut und die Kapelle in Oberwihl, und seine letzte Station war Suhr bei Aarau. "Eigentlich wollte ich als Dirigent aufhören und wieder als Bläser Musik machen", erzählt Rüegsegger. Doch als er von Murg hörte, beschloss er, dem Taktstock treu zu bleiben.

Sein "Erziehungsziel" mag schnell formuliert sein, ist aber sehr anspruchsvoll: Es geht darum, dass die Musiker nicht nur die Töne exakt und im richtigen Zeitpunkt treffen, sondern die Musik miterleben, mitfühlen und gestalten, und zwar einschließlich all jener Nuancen, die zu fein sind, um schriftlich fixiert zu werden. Die Voraussetzungen sieht er als gegeben, denn "der Wille bei den 40 Aktiven ist vorhanden". Auch Michael Bäumle vom Vorstandsteam bestätigte, dass Dirigent und Verein "das richtige Gefühl füreinander" hätten, wie sich in den mittlerweile zehn Proben gezeigt habe. Er lobte die Arbeit von Ehrfried Bäumle, der dem Verein viel mitgegeben habe. "Aber es ist normal, dass nach ein paar Jahren Veränderungen eintreten, denn jeder Dirigent ist anders und kann den Musikern andere Dinge beibringen."

Um die Zukunft des Vereins zu sichern, bildet die Feuerwehrmusik in Gemeinschaft mit dem Musikverein Niederhof sieben Zöglinge aus. Außerdem kooperiert sie mit der Murgtalschule, in deren Bläserklasse 18 Kinder Musikunterricht vom Fachlehrer und von zwei Vereinsausbildern erhalten. Die Kapelle stellt Instrumente zur Verfügung und verlangt für Miete und Ausbildung einen Monatsbetrag von 15 Euro, um möglichst viele Kinder in den Genuss der Schulung kommen zu lassen. Bäumle gratulierte der Klarinettistin Fareen Kniffka, die sich das bronzene Leistungsabzeichen des Blasmusikverbandes Hochrhein in Steinabad erarbeitet hatte. "Wir hoffen natürlich, dass dies der Schritt hin zum Aktivenorchester ist."

Die Kapelle bereitet sich derzeit intensiv auf ihr Jahreskonzert am Samstag, 7. Januar 2017, unter dem Thema "Bewegung bewegt" vor. "Es werden nicht nur Töne gespielt, sondern auch Bilder in Musik ausgedrückt, die etwas im Kopf bewegen sollen", erklärt der Dirigent getreu seiner Maxime. Hauptstücke sind eine russische Tanz-Suite, die Gaukler-Ouvertüre, dann ein "weltpolitisches Bild", das den Konflikt zwischen den amerikanischen Nord- und Südstaaten beschreibt, sowie ein "Flug in den Himmel". Rügesegger liebt Original- Blasmusik-Literatur, ist aber für ein breites stilistisches Spektrum offen.