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14. November 2014

Mit Ideen und Einsatz gegen die Verödung der Dörfer

Beim vierten Zukunftsgespräch der Gruppe Murg im Wandel präsentierten sich Initiativen aus Oberhof, Mauchen und Grunern.

  1. Stellte das Lebendige Oberhof vor: der Vorsitzende des Vereins, Jürgen Wittneben Foto: Michael Gottstein

MURG. Wie kann man angesichts des Sogs der Städte ein gutes Leben im ländlichen Raum sicherstellen? Darum ging es beim vierten Zukunftsgespräch von Murg im Wandel am Mittwoch im Schmiedledicksaal von Hänner. Initiativen aus Oberhof, Mauchen und Grunern zeigten, dass man mit Ideen und Einsatz der Verödung der Dörfer entgegenwirken kann.

Dass rund 70 Menschen der Einladung gefolgt waren, beweist, dass das Thema auf den Nägeln brennt. Denn viele Dörfer verkommen zu Schlafstätten, weil junge Menschen mangels Infrastruktur und Arbeitsplätzen wegziehen. Der Sprecher von Murg im Wandel, Karl Geck, erinnerte daran, dass es in den 1980er- Jahren in Hänner ein Rathaus, eine Schule, einen Dorfladen, eine Bäckerei, eine Post- und Bankfiliale, zwei Wirtschaften und eine Pension gegeben habe. "Vieles davon ist Geschichte."

"Jeder muss sich fragen,
ob er eine Gesellschaft

aus vereinsamten

Einzelkämpfern will."
Thekla Korhummel, Mauchen
Ein Mut machendes Beispiel liegt direkt vor der Tür: Oberhof hat es wegen seines sozialen Lebens im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" von der Kreis- auf die Bezirksebene geschafft. Typischerweise war es eine Verlusterfahrung – nämlich die Schließung der Schule –, die 2012 den Anstoß zur Gründung des Vereins Lebendiges Oberhof gab. Ziel, so der Vorsitzende Jürgen Wittneben, sei es, die Dorfgemeinschaft zu stärken und eine eigene Identität zu schaffen. Mit dem Café Miteinand wurde eine Begegnungsstätte ins Leben gerufen, außerdem veranstaltet der Verein Feste, Reisen, Vorträge sowie eine Kinderkleiderbörse.

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Aus Mauchen (Stadt Stühlingen) war Thekla Korhummel vom Verein Jung & Alt – Attraktives Dorfleben gekommen. Er wurde 2012 gegründet, um die Schließung des Kindergartens abzuwenden. Dies gelang nicht, dafür setzte man den Schwerpunkt auf Nachbarschaftshilfe. Die Helfer unterstützen für moderate Stundensätze besonders ältere Menschen im Haushalt. Vor allem schenken sie den Senioren Zeit und leisten bis zu 260 Stunden im Monat. "Jeder muss sich fragen, ob er eine solidarische Gemeinschaft oder eine Gesellschaft aus vereinsamten Einzelkämpfern will", so Korhummel.

Der drohende Niedergang der Infrastruktur und der Leerstand kommunaler Gebäude nach der Eingemeindung von Grunern in die Stadt Staufen war der Grund, weshalb sich 1992 der Bürgerverein bildete, so der Vorsitzende Ulrich Wüst. Mit Landesmitteln und viel Einsatz baute der Verein die 1745 erbaute Schule zum Bürgersaal um. Öde Plätze wurden verschönert, im alten Rathaus richteten die Mitglieder eine Kinderkernzeitbetreuung ein. Das 30 Jahre ungenutzte Milchhäusle wurde mit viel Eigenarbeit zum beliebten Dorfladen umgebaut.

Hänners Ortsvorsteher Dieter Muck hofft, "dass eine große Gemeinschaft entsteht, mit Menschen, die einander helfen in guten wie in schlechten Zeiten, so wie es früher war". Geck mahnte, dass der Einzelne durch seine Kaufentscheidung Entwicklungen durchaus beeinflussen könne: Auf Internetkäufe solle man lieber verzichten, denn diese führten zur Verödung im Einzelhandel und Kaufkraftabfluss: "Ein Dorfladen ist für die Gemeinschaft extrem wichtig, denn er ist der Ort, an dem sich Menschen zwanglos begegnen und ins Gespräch kommen."

Autor: Michael Gottstein