Schaurig schöne Geschichte(n)

Jörn Kerckhoff

Von Jörn Kerckhoff

Mi, 30. November 2016

Murg

Die Spielleute Skadefryd ließen im Oberhofer Café Verkehrt das Mittelalter aufleben.

MURG-OBERHOF. "Danke für das Handgeklapper." So bedankt sich Gunnar der Trobador für Applaus. Gunnar gehört zu den Spielleuten Skadefryd, die mit ihrer mittelalterlichen Marktmusik im Café Verkehrt in Oberhof auftraten. Eine Band aus der Geschichte an einem geschichtsträchtigen Ort also.

Immerhin war dort, wo heute das Café der Kultur eine Bühne bietet, früher eine Pferdewechselstation. Pferde kamen im Repertoire von Skadefryd weniger vor, dafür segelt die siebenköpfige Truppe gerne über die Meere. Und egal, ob auf Handels- oder Piratenschiffen: es ging gerne derb zu. "Ein Fass voller Wein" ist nicht unbedingt eine gute Idee auf einem Segelschiff, da geht im Suff gerne mal einer über Bord. Aber zimperlich durfte man als Seemann nicht sein, das nasse Grab war bei jeder Reise eine Option.

Nicht nur auf dem Meer fühlen sich Skadefryd daheim, auch dunkle Spelunken und enge Gassen sind ihr Zuhause. Die Spielleute gefallen mit ihren Liedern von Tod und Teufel und mit ihrem Auftreten, bei dem sie sich auch gerne selbst mal auf die Schippe nehmen und es mit dem Anstand nicht so genau nehmen. "Sauft Brüder, sauft", "Papst und Sultan" oder "Wein, Weib und Gesang" sind nur ein paar Titel aus ihrem Repertoire.

2014 gewannen die Spielleute beim Straßenmusikerfestival in Emmendingen den Publikumspreis, die Emmendinger Flöte, und heuer beim Wettbewerb für Barden und Spielleute der 13. Staufener Zeitreise ebenfalls den Publikusmpreis, das Goldene Huhn. "Huldigt dem Huhn", klang denn auch mehrfach durch das Café Verkehrt, das an diesem Abend noch ein paar Besucher mehr verkraftet hätte. Die Ankündigung mittelalterlicher Musik lockt offenbar erst mal nicht so viele Besucher an. Begegnet sie einem bei einem mittelalterlichen Fest, sorgt sie aber sofort für Aufmerksamkeit und lässt die Leute stehen bleiben und lauschen. Und die Publikumspreise beweisen, dass die Leute bei den Spielleuten Skadefryd besonders gerne stehen bleiben.

In zehn Sprachen singen die Spielleute, deutsch, englisch, französisch und schwedisch gehören dazu. Neben Titeln, die sehr leicht dem Mittelalter zuzuordnen sind, haben die Spielleute auch Songs im Repertoire, die man nicht unbedingt in diese Zeit packen würde. Etwa "Scarborough Fair", das vor allem in der Version von Simon & Garfunkel berühmt wurde. Tatsächlich ist aber auch dieser Song auf das England des Mittelalters zurückzuführen. Oder "Loch Lomond", das die Band Runrig bekannt machte und auf ein Gedicht zurückgeht, das der Soldat Donald McDonald an seine Geliebte Moira schrieb, während er im Jahr 1745 auf seine Hinrichtung wartete. Was für eine Geschichte. Lebendig bleiben diese schaurigen, traurigen aber auch schönen, derben und heiteren Geschichten durch Gruppen wie die Spielleute Skadefryd.