Wellness-Wahlkampf auf dem Bauernhof

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Fr, 25. August 2017

Murg

SPD-Abgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter macht Station in Murg / Besichtigung bei Kammerer und Diskussion mit Bürgern / Beispiel für nachhaltige Landwirtschaft.

MURG. Am Mittwochmorgen machte die Parlamentarische Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter Wahlkampfstation in Murg-Niederhof. Sie besichtigte Hofladen und Hof Kammerer. Im Anschluss hatten Bürger die Möglichkeit, bei einem Frühstück auf der Terrasse des Hofladens mit der 54 Jahre alten SPD-Kandidatin ins Gespräch zu kommen.

"So könnte Wahlkampf immer sein", schwärmt Rita Schwarzelühr-Sutter und lehnt sich zurück. Hinter ihr öffnet sich der Blick auf Rhein und Jurapark Aargau, vor ihr steht ein Cappuccino und ein Stück Kirsch-Biskuitrolle. Zwischen den Sonnenschirmen auf der Terrasse ist die Temperatur noch angenehm.

Für morgens um zehn hatte der SPD-Ortsverein Murg eingeladen, den Bauernhof und den Hofladen der Familie Kammerer in Niederhof zu besuchen und dabei mit der sozialdemokratischen Kandidatin des Wahlkreises ins Gespräch zu kommen. Diese kommt pünktlich und lässt sich über den Hof führen, besichtigt die Kompostieranlage und die Hackschnitzel, den Hühnerstall und den Hofladen, der im vergangenen Jahr errichtet wurde. Darin verkauft die Familie Kammerer die Eier ihrer Hühner, Obst und Gemüse, Brot, Wurst, Wein und mehr aus der Region.

"Wir haben eine Tradition", erklärt Schwarzelühr-Sutter, "aber wir brauchen auch wirtschaftliche Entwicklung. Und Sie strahlen das beides aus. Hier verbindet sich nachhaltige Landwirtschaft mit nachhaltigem Konsum." Begeistert ist sie davon, dass die Kammerers ihren Hühnern die Schnäbel nicht stutzen, ihnen stattdessen eine Pickstange vorsetzen. "Man muss es den Hühnern interessant machen, dann picken sie sich nicht", so habe ihr das Erhard Kammerer erklärt.

Inzwischen sitzt die Sozialdemokratin mit 15 Gästen bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse. Die intensive, exportorientierte Landwirtschaft hält sie für nicht zukunftsfähig. Der Betrieb der Kammerers zeige, wie es anders gehen könne, und zeige vor allem, dass es anders geht: "Wir fragen uns in der Politik häufig, ob wir nicht etwas verlangen, was gar nicht machbar ist. Sie hier zeigen: Es geht."

Da die Stühle nicht für alle ausreichen, zieht Schwarzelühr-Sutter kurzerhand einen der Strohballen, die als Sitzgelegenheit auf der Terrasse drapiert sind an den Tisch. Schließlich haben fast alle einen Platz gefunden und die Diskussion geht voran. Hofladen schön und gut, aber "können die Leute sich das denn überhaupt leisten?", will eine Dame wissen. Sie erzählt von Rentnern, denen die Rente nicht ausreicht, von Menschen, denen viele Kinder das Einkommen schmälern. Die SPD-Kandidatin greift das gerne auf. Ihr habe ein Schreiner kürzlich seinen Kontoauszug geschickt, mit dem Gehaltseingang. "Da habe ich gleich den Taschenrechner gezückt und nachgerechnet", erzählt Schwarzelühr-Sutter. "Der Mindestlohn war gerade so abgedeckt. Das ist ein Problem: Wenn ein qualifizierter Handwerker in der Region von seinem Lohn keine Familie bezahlen kann. Der Wohlstand kommt bei manchen nicht an." Daher müssten bei Steuersenkungen niedrige und mittlere Einkommen begünstigt werden, nicht die Spitzenverdiener. Aber vor allem müsste erst einmal der Investitionsbedarf in den Kommunen abgedeckt sein.

Die Diskussion dreht sich noch länger um soziale Fragen. Befristete Arbeitsverträge, zu wenige Stellen für Lehrkräfte und die Privatisierung von Bahn und Post kommen zur Sprache. Hier betont Schwarzelühr-Sutter, hätten sie schon viel erreicht: den Mindestlohn zum Beispiel, oder die Rente nach 45 Beitragsjahren. Auf Dauer reiche das aber nicht. Die Kandidatin will eine möglichst breite Tarifbindung, um gute Löhne für alle zu gewährleisten.

Von der Sozialpolitik kommen die Diskutanten zur Flüchtlingspolitik. Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen, auch ohne langfristige Bleibeperspektive, sei die beste Entwicklungshilfe, so die Kandidatin. Auch die Haltung der Bundesrepublik zur Türkei Erdogans kommt zur Sprache – hier befürwortet Schwarzelühr-Sutter eine klare Haltung: "Erdogan ist kein Partner gegen Terrorismus" – und schließlich auch der Dieselgipfel. Nach gut zwei Stunden machte sich die Kandidatin dann wieder auf den Weg – aber nicht ohne vorher noch im Hofladen einzukaufen.