Musiksommer mit Überraschungen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 12. April 2014

Ettenheim

Wieder vier Konzerte in der Reihe, aber keine CD-Produktion.

ETTENHEIM. Was haben Henry Purcell und Ettenheim gemein? Den Barock. Ettenheim kehrt seit Jahren gerne seine barocke Schokoladenseiten heraus, und Purcell gilt als der bedeutendste englische Komponist des Barocks. Für den kommenden Sommer kommt es zu einer Art Synergie: Music for a while, eines der bekanntesten vertonten Gedichte des Barockkünstlers, stand Pate bei der Themenfindung für den achten Musiksommer der Musikfreunde Ettenheim.

Der Zyklus von vier Klassikkonzerten zeigt in diesem Jahr in der Tat einige Besonderheiten. Für viele Freunde der Konzertreihe eher bedauerlich, ist der Verzicht auf einen Mitschnitt der Konzerte durch ein Tonstudio, was zugleich auch bedeutet, dass es keine CD zum achten Musiksommer geben wird. "Die Nachfrage nach den CDs entsprach nicht unseren Erwartungen, weshalb wir uns mit dem Sponsor verständigten, das Projekt erst einmal ruhen zu lassen", erklärte am Donnerstag Paul Jensen, der Vorsitzende des Vereins Ettenheimer Musikfreunde, der seit 2007 den Musiksommer veranstaltet.

Martin Bellin, erfolgreicher Softwareentwickler aus Ettenheim, war bei der dritten Konzertreihe 2009 mit einer besonderen Form des Sponsorings beim Musiksommer eingestiegen, und hat seither auf eigene Kosten von einem Offenburger Tonstudio eine CD über die Konzerte produzieren lassen. Der Erlös aus dem Verkauf floss vollumfänglich den Musikfreunden zu. Doch der Verkauf der CD sei von Jahr zu Jahr schleppender verlaufen, so Jensen. Einzige Bank sei die Stadt Ettenheim gewesen, die von den 500 gefertigten Kopien stets 100 abgenommen habe und als Beigabe bei Ehrungen verwendete. Jensen: "Verkauft wurden aber unterm Strich zu wenige." Schön für die Musikfreunde: Martin Bellin stellt zwar die Produktion der CD ein, bleibt der Reihe dennoch als Sponsor erhalten.

Ungewohnt beim Musiksommer 2014 ist auch, dass die vier Konzerte nicht in einem wöchentlichen Rhythmus gespielt werden. Den Auftakt macht das New Yorker Ensemble Rebel mit einem Konzert am 26. Mai, in der katholischen Kirche in Altdorf. Und danach macht der musikalische Sommer in Ettenheim erst einmal Pause – bis 2. Juli.

Musiksommer weicht der Fußball-WM aus

Dann geht’s aber Schlag auf Schlag: 2. Juli Wiener Glasharmonika-Duo, 6. Juli Gregor Horsch und Pascale Went und am 17. Juli Ensemble Music for a while. Der Grund für die Unterbrechung: Die Fußball-WM hat auch bei Freunden klassischer Musik ein übergeordnetes Interesse. Es waren wohl die Erfahrungen aus dem WM-Jahr 2010, als ein Konzertabend mit Max Ciolek unter einem parallel angesetzten WM-Spiel litt, die bei der Planung einflossen. "Wir haben gewissermaßen vor der Fußballkonkurrenz kapituliert", erklärte Jensen. Da aber die New Yorker Musiker nur Ende Mai auf Deutschland-Tournee sind und Ettenheim durch gute Kontakte von Musikfreund Helmut Salomon auf den Spielplane geriet, beginnt in diesem Jahr eben schon Ende Mai der Musiksommer.

Und noch eine Neuerung wurde bei der Hauptversammlung im Stadtmuseum bekannt: Zum 8. Musiksommer wird erstmals ein Programmheft aufgelegt. "Wir wollen damit den Konzertbesuchern mehr Informationen zu den Konzerten und den Künstlern geben, aber auch unseren Sponsoren – wobei wir natürlich gerne auch Neue mit aufnehmen – eine großzügigere Plattform zur Präsentation bieten", erklärt der Schatzmeister der Musikfreunde Eugen Weber. Denn eines wurde am Donnerstagabend auch deutlich: Der rund 20000-Euro-Etat für einen Musiksommer lässt sich über die Beiträge der rund 70 Mitglieder und den Ticketverkauf für vier Konzerte mit zusammen etwa 500 bis 600 Zuhörern nicht stemmen. Der Löwenanteil der Kosten werde ausschließlich durch Sponsoren gedeckt.