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23. Juli 2011 10:34 Uhr

Terrorismus

Anders Behring Breivik – wer ist der Attentäter von Norwegen?

Anders Behring Breivik: Zwar hat die norwegische Polizei den Namens des Attentäters von Oslo und der Insel Utøya zunächst nicht veröffentlicht – doch er geht auch so um die Welt. Was verrät das Internet über den Mann, der mehr als 90 Menschen tötete?

  1. Anders Behring Breivik Foto: AFP

  2. Anders Behring Breivik Foto: AFP

Es ist vor allem ein Satz, der die Menschen schauern lässt: "One person with a belief is equal to the force of 100.000 who have only interests" – die einzige Nachricht auf Breiviks Twitter-Account bedeutet frei übersetzt, dass ein Mensch mit wahren Überzeugungen über dieselbe Macht verfüge wie 100.000 andere, die nur Interessen hätten. Das Zitat des englischen Philosophen John Stuart Mill wirkt verstörend vor dem Hintergrund, dass Breivik nur fünf Tage, nachdem er es bei Twitter publizierte, ein Blutbad anrichtete. Als Alleintäter.

Rechtsradikaler, christlicher Freimaurer

Der 32-jährige Breivik wird dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet, auch wenn er sich nach Angaben des Senders NRK von Neonazis distanzierte. Der einheimische Attentäter hat also ganz gewiss nichts zu tun mit dem internationalen Terrorismus islamistischer Prägung. Im Gegenteil: Nach Darstellung der norwegischen Zeitung Aftenposten gilt Breivik als ausländerfeindlich und islamkritisch, als Gegner einer multikulturellen Gesellschaft, als ein Mann mit einer konservativen bis fundamentalistischen christlichen Gesinnung, als Freimaurer. Bodybuilding, Computerspiele wie "World of Warcraft" und die Jagd seien die Hobbys des Junggesellen, heißt es.

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Auf seinen Namen seien zwei Waffen gemeldet, berichten norwegische Medien, darunter ein automatisches Gewehr. Teilnehmer des Sommercamps auf Utöya berichteten, der Angreifer habe sie als Polizist verkleidet angelockt. Er habe gesagt: "Kommt zu mir, ich habe wichtige Informationen, kommt zu mir, es besteht keine Gefahr", sagte die 15-jährige Elise nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB. Dann habe er geschossen. "Die Leute rannten überall wie die Verrückten. Er schoss, er schoss", berichtete das Mädchen.

Breivik handelte mit Agrargütern aus biologischem Anbau und lebte in einem unauffälligen Wohnblock in Oslo. Gegen Mitternacht habe die Polizei die Wohnung des Mannes im Westen Oslos durchsucht, berichtet die norwegische Zeitung VG. Bereits vor Jahren habe er im Internet Beiträge mit kontroversem Inhalt veröffentlicht, schreibt das Blatt. Sein Facebook-Profil sei deshalb gelöscht worden.

Parallelen zu Timothy McVeigh

Breiviks Tat, seine Vita und auch das eingangs genannte Twitter-Zitat wecken Erinnerungen an den US-Amerikaner Timothy McVeigh, der im Jahr 1995 einen verheerenden Sprengstoffanschlag auf ein Regierungsgebäude in Oklahoma City verübte und 168 Menschen tötete. Auch McVeigh war Rechtsextremist, Gegner des herrschenden politischen Systems – und Überzeugungstäter, der darauf beharrte, das Richtige getan zu haben. "Es steht 168:1 für mich", sagte er kurz vor seiner Hinrichtung im Jahr 2001. Auch Breivik scheint ganz bewusst zu seinen Taten zu stehen. Nach Polizeiangaben hat der Festgenommene in ersten Verhören angekündigt, dass er genaue Aussagen über seine Vorgehensweise und Motive machen will.

Eine weitere Parallele ist, dass sowohl McVeigh als auch Breivik innerhalb kürzester Zeit zu bekannten Figuren der Zeitgeschichte wurden – was mit dem Internet-Tempo des Jahres 2011 sogar noch schneller geht als am Ende des vorigen Jahrhunderts: Über Anders Behring Breivik gibt es, nur wenige Stunden nach seinen Irrsinnstaten, bereits einen Wikipedia-Eintrag.

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Autor: Karl Heidegger mit afp und dpa