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26. August 2010 00:05 Uhr
Vormarsch
In Somalia haben die Islamisten den "Endkrieg" ausgerufen
Der blutige Terror in Somalias Hauptstadt Mogadischu reißt nicht ab. Bei neuen Gefechten zwischen Kämpfern der radikalislamistischen Al-Shabaab-Miliz und Regierungstruppen wurden mindestens sechs Menschen getötet.
JOHANNESBURG/MOGADISCHU. Die Zahl der Toten seit Beginn der Rebellen-Offensive am Montag erhöhte sich damit auf 80. Radikale Islamisten hatten am Dienstag ein Blutbad in einem Hotel der Hauptstadt angerichtet, dem 31 Menschen – darunter sechs Parlamentarier – zum Opfer fielen. Nur dem Einsatz der im Rahmen der afrikanischen Amisom-Mission in Mogadischu stationierten ugandischen und burundischen Soldaten ist es zu verdanken, dass der Amtssitz von Präsident Scheich Scharif Ahmed bei den fortdauerenden Kämpfen nicht bereits gefallen ist. Die Islamisten sollen Verbindungen zum Terrornetz al-Qaida haben und von rund 2000 Aufständischen aus dem Ausland, darunter Afghanistan und Pakistan, unterstützt werden. Die Islamisten näherten sich dem Präsidentenpalast in der Nacht zum Mittwoch auf weniger als einen Kilometer. Al-Schabab-Sprecher Ali Mohamud Rage sagte, Amisom und die Regierungstruppen kontrollierten nur noch einen Straßenzug: "Und selbst auf diesem haben wir die Verbindung ihrer Stützpunkte unterbrochen."
Als Auslöser ihres jüngsten Großangriffs, den die Islamisten als "Endkrieg" bezeichnen, wird die derzeitige Verstärkung der Amisom-Truppen von 6000 auf 8000 Mann betrachtet. Die Islamisten wollten Fakten schaffen, bevor sich ihre Gegner verstärken könnten, hieß es. Die Erhöhung der Amisom-Truppenstärke hatte die Afrikanische Union (AU) auf ihrem jüngsten Gipfel in Uganda beschlossen, nachdem es in der dortigen Hauptstadt Kampala während des Endspiels der Fußball-WM zu einem vermutlich von somalischen Islamisten ausgeübten Terroranschlag gekommen war. Ugandas Präsident Yoveri Museveni hatte für eine Aufstockung der Amisom-Truppe auf 20 000 Mann plädiert, doch die AU konnte sich nur auf 2000 zusätzliche Soldaten einigen – kaum ein afrikanischer Staat ist bereit, Truppen nach Somalia zu schicken. Die Maßnahme ist unter Somalia-Kennern ohnehin umstritten: Sie treibe den Islamisten nur noch weitere Unterstützer in die Arme, weil in Somalia fremde Einmischung verpönt sei. Umstritten ist auch das Training von Soldaten der Übergangsregierung, das derzeit in Uganda unter der Verantwortung der EU stattfindet. Viele der auch von Offizieren der Bundeswehr ausgebildeten Soldaten wechselten nach ihrer Rückkehr in die somalische Hauptstadt die Fronten.
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Bronwyn Bruton vom US-Rat für Auswärtige Angelegenheiten schlägt vor, ausländische Unterstützung für die Übergangsregierung zu stoppen. Letztere habe sich als korrupt und ineffektiv herausgestellt: "Die Einmischungsversuche machen das Chaos nur noch schlimmer." Dagegen hält Andre Le Sage von der National Defense University in den USA einen Rückzug ausländischer Kräfte aus Somalia für sehr problematisch. Mit dem Ende der ausländischen Einmischung werde ein weiteres Talibanregime in Kauf genommen. Stattdessen solle Druck auf die Übergangsregierung ausgeübt werden, damit diese Clanführer und moderate Islamisten aufnimmt, um so ihrem schwindenden Einfluss entgegen zu wirken.
Autor: Johannes Dieterich und Abdinasir Mohamed Guled
