Wieder mehr Menschen leiden Hunger

dpa

Von dpa

Mi, 12. September 2018

Ausland

UN: Folge von Konflikten und Klimaveränderungen.

ROM (dpa). Die Zahl der hungerleidenden Menschen in der Welt steigt wieder – vor allem als Folge von Konflikten und Klimaveränderungen. Im Jahr 2017 hatten 821 Millionen Menschen, etwa jeder neunte Erdbewohner, zu wenig zu essen, wie die Landwirtschaftsorganisation (FAO) und weitere UN-Organisationen am Dienstag in Rom mitteilten. 2016 seien es 804 Millionen gewesen. "Diese Botschaft sollte der Welt Angst einjagen", sagte David Beasley, der Leiter des Welternährungsprogramms (WFP), das am Bericht zur weltweiten Lebensmittelversorgung beteiligt war.

Jahrelang war die Zahl der hungernden Menschen gesunken, bis 2030 wollen die Vereinten Nationen den Hunger auf der Welt eigentlich ganz abschaffen. Dieses Ziel zu erreichen, sei aber angesichts der derzeitigen Entwicklung nicht realistisch, räumte Beasley ein. "Der Welthunger stieg in den letzten drei Jahren an und erreicht wieder Werte wie vor einem Jahrzehnt", heißt es in dem Bericht. Demnach haben weltweit 22 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren – insgesamt 151 Millionen – Wachstumsverzögerungen.

Afrika und Südamerika am meisten betroffen

Die Lage verschlimmert sich vor allem in den meisten Regionen Afrikas sowie in Südamerika. Die UN betonen, dass neben Konflikten und Wirtschaftskrisen auch Klimaveränderungen stark zu der Ernährungskrise beitragen. Gemeint sind damit Klimaschwankungen – etwa wenn eine Regenzeit zu früh oder spät anfängt – sowie Extremwetter wie Dürren oder Starkregen mit Überflutungen. "Klimaveränderungen spielen heutzutage so eine gewaltige Rolle, dass wir zurückfallen, dass wir die positiven Entwicklungen, die wir bislang gesehen haben, zurückdrehen", sagte FAO-Direktor José Graziano da Silva. Die Zahl und der Anteil unterernährter Menschen sind dem Bericht zufolge deutlich höher in Ländern, die extremes Klima erleben. Auch ist der Hunger demnach schlimmer in Ländern, in denen die Landwirtschaft sehr empfindlich auf veränderte Niederschläge und Temperaturen regiert. Dies ist etwa der Fall in Ostafrika, wo viele Menschen Bauern oder Viehhirten sind.