82,8 Millionen Einwohner

Christoph Arens

Von Christoph Arens (KNA)

Sa, 15. September 2018

Deutschland

Bevölkerung in der Bundesrepublik wächst wegen Zuwanderung.

WIESBADEN. Noch nie war Deutschland bevölkerungsreicher als jetzt – weder im Kaiserreich noch in der Nazizeit oder der Nach-Wende-Epoche. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteile, wuchs die Einwohnerzahl im Jahr 2017 um weitere 0,3 Prozent oder 270 000 Personen. Die Bundesrepublik hat damit 82,8 Millionen Einwohner.

"Deutschland schrumpft. Irgendwann", so hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung kürzlich die wider Erwarten steigenden Einwandererzahlen kommentiert. Seit 2012 gibt es Jahr für Jahr ein Plus. Ausschlaggebend ist allein die Zuwanderung aus dem Ausland. 2017 wanderten rund 405 000 Personen mehr zu als ab. Gleichzeitig setzte sich das Geburtendefizit fort: Etwa 786 000 Neugeborenen standen 2017 rund 933 000 Sterbefälle gegenüber – eine Differenz von 147 000. Im Jahr 2016 hatte das Geburtendefizit noch 119 000 betragen.

Damit erhöhte sich zugleich der Anteil der ausländischen Bevölkerung: Ende 2017 lebten rund 9,7 Millionen ausländische Staatsbürger in der Bundesrepublik; das waren 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Deutschen verringerte sich um 0,3 Prozent auf 73,1 Millionen. Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich von 11,2 Prozent im Jahr 2016 auf 11,7 Prozent.

Damit überlagern internationale Migrationsbewegungen den Trend zum Bevölkerungsrückgang, der durch eine lang anhaltende Phase des Geburtenrückgangs angelegt ist. Da seit 1972 hierzulande jedes Jahr mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden, würde die Bevölkerungszahl in Deutschland ohne Zuwanderung schrumpfen. Nach Angaben der Bevölkerungsexperten haben die Wanderungsgewinne im Zuge der EU-Erweiterung und der Arbeitnehmerfreizügigkeit deutlich zugenommen: für Polen gilt das ab 2011 und für Rumänen und Bulgaren ab 2014. Insbesondere im Ausnahmejahr 2015, als Hunderttausende Syrer nach Deutschland kamen, spielte auch die Ankunft von Flüchtlingen eine große Rolle.

Längerfristige Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland sind schwierig. Ein anhaltender Krieg in Syrien könnte für Zuwanderung sorgen. In ihren Langfristprognosen rechneten die Statistiker allerdings nicht mit großen Krisen, sondern einer durchschnittlichen Entwicklung. Auf dieser Basis hatten die Bevölkerungsforscher 2017 erklärt, dass die Zuwanderung wohl nur eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung haben werde. Für 2060 schätzen die Wissenschaftler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung die Einwohnerzahl auf 67,6 Millionen bei schwächerer Zuwanderung und 76,5 Millionen bei stärkerer Zuwanderung.