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22. März 2013 09:09 Uhr

Energiewende

Software des Freiburger Öko-Instituts offenbart Crux mit dem Strompreis

Den Strompreis zu kontrollieren ist eine Herkulesaufgabe. Das zeigt ein Computerprogramm des Freiburger Öko-Instituts. Der EEG-Kalkulator offenbart auch: Der Strompreis sinkt kaum, wird das Wachstum bei erneuerbaren Energien abgebremst.

  1. Eine neue EEG-Software verdeutlicht, dass der Strompreis kaum geringer ausfallen würde, wenn das Wachstum bei Strom aus Wind, Sonne, Biomasse, Geothermie oder Wasserkraft abgebremst würde. Foto: dpa

Wie wäre es, wenn man einen Tag lang König von Deutschland wäre und selbst über den Strompreis bestimmen könnte? Das klingt angesichts der steigenden Preise für Elektrizität ziemlich attraktiv. Und vielleicht hat sich ja auch Bundesumweltminister Peter Altmaier, der am Donnerstag an der Seite der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten über eine Strompreisbremse verhandelte, von einer solchen Wunschvorstellung leiten lassen. Aber auch wenn die Politik – über Steuern und Abgaben auf den Stromverbrauch – mittlerweile schon für die Hälfte der Elektrizitätskosten direkt die Verantwortung trägt, ist es sehr schwierig, den Strompreis zu senken.

Das zeigt ein Computerprogramm, das das Freiburger Öko-Institut im Auftrag der Organisation Agora Energiewende entwickelt und nun ins Netz gestellt hat. Dieser EEG-Kalkulator berücksichtigt insgesamt 80 Faktoren, die Auswirkungen auf den Strompreis und die Umlage haben, mit der die Ökostromerzeugung nach den Vorgaben des Gesetzes über die Erneuerbaren Energien (EEG) staatlich gefördert wird. Würde der eingeschlagene Kurs beim Ausbau der Öko-Energien einfach fortgesetzt, würde die EEG-Umlage laut diesem Programm von heute 5,3 auf 6,98 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2017 steigen – also um knapp 1,7 Cent. Der Großhandelsstrompreis würde im gleichen Zeitraum von 10,35 auf 11,48 Cent je Kilowattstunde anwachsen.

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EEG-Kalkulator gibt Hinweis, welchen Hebel man ansetzen muss

Wer beim EEG-Kalkulator einzelne Parameter ändert, erlebt Überraschungen: Fährt man den Ausbau der Solarenergie auf ein sehr niedriges Niveau zurück, steigt die Umlage bis 2017 nur um 0,01 Cent weniger – auf 6,97 Cent je Kilowattstunde.Würde man das Wachstum bei der Solarenergie dagegen auf ein sehr hohes Niveau anheben, würde das die Umlage sogar entlasten: Sie stiege dann im gleichen Zeitraum nur auf 6,94 Cent an, weil die im Gesetz verankerte Degression bei den Fördersätzen schneller wirksam würde; der Großhandelsstrompreis samt Umlage stiege in diesem Fall auf 11,44 Cent je Kilowattstunde. Würde das Wachstum bei der Solarenergie beschleunigt, läge der Großhandelspreis in vier Jahren also um 0,04 Cent niedriger, als wenn der bisherige Kurs fortgesetzt würde.

Insgesamt stellt sich beim Hantieren mit der EEG-Software die Erkenntnis heraus, dass es den Strompreis nur relativ wenig entlasten würde, wenn das Wachstum bei Strom aus Wind, Sonne, Biomasse, Geothermie oder Wasserkraft abgebremst würde. Das würde auch den beim Atomausstieg vereinbarten Zielen widersprechen: Bis 2030 soll der Ökostrom einen Anteil von 30 Prozent an der Stromproduktion erreichen.

Was technisch machbar wäre, ist noch lange nicht sinnvoll

Das alles zeigt, dass es eine echte Herkulesaufgabe ist, den Strompreis zu kontrollieren. Der EEG-Rechner des Ökoinstituts gibt auch einen Hinweis, welchen Hebel man ansetzen muss, um einen deutlichen Preiseffekt zu erzielen: Wer die Vergünstigungen der stromintensiven Betriebe vom derzeit hohen auf ein sehr niedriges Niveau zurückfahren würde, könnte erreichen, dass die EEG-Umlage bis 2017 nur auf 6,20 Cent je Kilowattstunde steigt. Auch durch die Privilegierung des Eigenverbrauchs in den Unternehmen lassen sich Umlage und Großhandelspreis deutlich dämpfen.

Doch was technisch machbar wäre, ist noch lange nicht sinnvoll. An der Stelle fangen die politischen Probleme erst an, mit denen Umweltminister Altmaier und die Unterhändler der Länder bei der Vorbereitung des Energiegipfels nicht fertig geworden sind. Unmittelbar vor dem Treffen sprach kaum mehr etwas dafür, dass es den Regierungschefs gelingen würde, den Knoten zu durchschlagen. So kam es denn auch. Gut möglich, dass Altmaier sich unterdessen ärgert, dass der EEG-Rechner des Öko-Instituts nicht früher verfügbar war. Vielleicht hätte er die Finger von dem Versuch gelassen, vor der Wahl noch eine kleine Strompreisbremse durchzuboxen, wenn die Software ihm rechtzeitig gezeigt hätte, wie mager die Erträge sind, wenn einzelne Schräubchen im EEG neu justiert werden.

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Autor: Bärbel Krauß