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24. Oktober 2009 19:03 Uhr
Interview
Kretschmann: "Oettingers Wahl ist mir ein Rätsel"
Oettinger nach Brüssel: Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Winfried Kretschmann, erfuhr auf dem grünen Parteitag in Rostock von dieser Entscheidung. Michael Neubauer sprach mit ihm.
BZ: Was ging Ihnen zuerst durch den Kopf, als Sie diese Nachricht hörten?
Kretschmann: Ich war völlig perplex. Da verlässt ein Kapitän das Schiff zu einem Zeitpunkt, wo es in stürmische See gerät: Das Land ist in einer schweren Finanzkrise, in einer schwierigen Haushaltssituation - und Oettinger verschwindet. Das kann mir nicht gefallen.
BZ: Schon ist der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Mappus als Nachfolger im Gespräch. Was halten Sie von dieser Personalie?
Kretschmann: Mal abwarten, wer da jetzt kommt. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Charme, es zu führen. Darauf kann man bei Stefan Mappus nur hoffen. Jeder Ministerpräsident hat seinen eigenen Stil, mit Oettinger war die Zusammenarbeit immer sehr sportlich. Mappus ist eher ein robuster Typ. Aber ich sehe in den Reihen der Landes-CDU keinen veritablen Nachfolger, die Partei ist personell schwach aufgestellt.
BZ: Wie erklären Sie sich den Wechsel Oettingers nach Brüssel?
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BZ: Oettinger in Brüssel – was bringt er für das Amt des EU-Kommissars mit?
Kretschmann: Diese Wahl ist mir ein absolutes Rätsel. Er hat ja gegen die Richtlinie 120 Gramm CO2-Ausstoß bei den Kraftfahrzeugen mit Argumenten der 1980er Jahre polemisiert. Das ist nicht der beste Einstieg, um eine zukunftsorientierte Wirtschafts- und Industriepolitik in Europa voranzubringen. Was den Klimaschutz angeht, ressourcenschonende Produktion, Energieeffizienz, also eine ökologische Modernisierung der Wirtschaft – da sehe ich nur Fehlanzeige.
BZ: Für den Landtagswahlkampf im Jahr 2011 wäre Ihnen ein Günther Oettinger als Gegner lieber gewesen als eventuell ein Stefan Mappus?
Kretschmann: Gott sei dank kann man sich die Gegner nicht aussuchen, sondern muss sich auf sie einstellen.
