Weihnachtsmarkt-Boom

Viele Weihnachtsmärkte starten in diesem Jahr früh

kna/epd/BZ

Von kna, epd & BZ-Redaktion

Mo, 20. November 2017

Deutschland

In diesem Jahr fallen der vierte Advent und Heiligabend zusammen. Das bedeutet, dass der Advent kurz ausfällt: Die vorweihnachtliche Zeit dauert ganze 22 Tage, im vergangenen Jahr waren es 28. Dass deshalb einige Weihnachtsmärkte – zum Beispiel in München oder Darmstadt – schon vor dem Totensonntag am 26. November öffnen, stößt auf Kritik.

Die Evangelischen Landeskirchen bedauern die Kommerzialisierung des Festes und rufen zur Einhaltung der "stillen" Zeit auf, die dem Erinnern an Kriege und an die Toten gewidmet sei. Christliche Feste sollten dann gefeiert werden, wenn sie dran sind, sagte ein Sprecher der bayerischen Landeskirche. "Advent im Advent, Weihnachten an Weihnachten, Ostern an Ostern".

Fest steht: Weihnachtsmärkte boomen. "Der Weihnachtsmarkt ist zum Massenphänomen geworden", schreibt der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. Vorweihnachtliche Märkte gibt es schon lange. Im 14. Jahrhundert kam der Brauch auf, Handwerkern wie Spielzeugmachern oder Zuckerbäckern zu erlauben, Verkaufsstände auf dem Markt zu errichten.

Entstanden seien Weihnachtsmärkte vor allem in protestantischen Städten, berichtet Hirschfelder. In katholischen Gegenden habe man bis weit in das 20. Jahrhundert hinein kaum Speisen anbieten können, weil der Advent als Zeit des Fastens begangen wurde. "Die Vermassung des Weihnachtsmarktes beginnt erst in den 1960er Jahren."

Den Erfolg der Weihnachtsmärkte erklärt Kulturwissenschaftler Hirschfelder damit, dass die Menschen auch im Zeitalter des Individualismus nach Gemeinschaft suchten. Zudem vermittele der Weihnachtsmarkt das Gefühl, in eine romantische Welt einzutauchen, die mit positiven Kindheitserinnerungen verbunden ist, mit Gemütlichkeit, Gerüchen und Geräuschen.

In den vergangenen Jahren beobachtet Kulturwissenschaftler Hirschfelder auch eine neue Entwicklung. Die Weihnachtsmärkte werden lauter, bunter und globalisierter: Aus Weihnachten wird erst Christmas, dann X-Mas. Aus dem Nikolaus wird der Weihnachtsmann, das russische Väterchen Frost oder gleich ein gemütlicher Bär mit Zipfelmütze. Christliche Symbole werden von der Schneeflocke verdrängt. "Die heutige Dekoration ist eine Mischung aus Fantasyroman, Ikea und Landlust", sagt Hirschfelder. "Ein Kirchturm im Hintergrund schadet nicht."