Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

05. Juli 2012

Zentrum für politische Schönheit

Waffenhersteller Krauss-Maffei: Das Halali ist geblasen

Eine Künstlerinitiative beleuchtet die Besitzverhältnisse beim Waffenhersteller Krauss-Maffei.

  1. Nach einer Abmahnung entfernt: der Aufruf, Krauss-Maffei-Eigner zu denunzieren Foto: promo

Burkhart Braunbehrens exponierte sich nicht nur mit der Idee einer Fusion der Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegmann und des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Braunbehrens, selbst Krauss-Maffei Anteilseigner, wandte sich auch vehement gegen eine Lieferung von Krauss- Maffeis Leopard-2-Panzern an Saudi-Arabien. Politisch ist das Geschäft umstritten, von 600 bis 800 weiteren Leopard-Panzern für das Wüstenkönigreich ist die Rede. Burkhart Braunbehrens erklärte, dass er und seine Familienmitglieder entsetzt gewesen seien, als im März 2011 saudische Panzer in Bahrain einrollten, um die Demokratiebewegung niederzuwalzen. Er habe sich jetzt an Bundespräsident Gauck gewendet, mit der Bitte, den Panzer-Deal nicht zu genehmigen.

Der Berliner Künstler Philipp Ruch spricht gegenüber der BZ von seiner "Hochachtung" für Burkhart Braunbehrens. Der sei ja im Grunde so etwas wie ein "zweiter Pressesprecher" für das Zentrum für politische Schönheit. Das Zentrum dieses Namens ist eine künstlerische Initiative, die fürs Ziel der "Verteidigung der Menschlichkeit" mit spektakulär öffentlichkeitswirksamen Mitteln eintritt. Aktuelles Projekt: der Kampf gegen Krauss-Maffei und das Geschäft mit Saudi-Arabien. Mitten im Berliner Großstadtgetriebe hing ein Großplakat mit der animierenden Mitteilung: "Belohnung 25 000 Euro". Namentlich wurden darauf einige der Krauss-Maffei-Eigner genannt, darunter auch der in Freiburg lebende Volkmar Braunbehrens. Aufforderung an jedermann: gegen die Genannten irgend etwas Handfestes zu finden, dass sie strafrechtlicher Verfolgung aussetzen und hinter Gitter bringen könnte. Wenn Waffenhandel, so der Gedanke, schon keine Straftat ist – anderer Dreck am Stecken sollte bei dem einen oder anderen schon noch zu finden sein. Geldwäsche, Steuerhinterziehung et cetera. Die schöne Euro-Summe sollte die Suche beflügeln.

Werbung


Das Fahndungsplakat musste Initiator Philipp Ruch nun allerdings von seinem öffentlichen Platz entfernen. Die Internetseite http://www.25000-euro.de – sozusagen die Bildlegende und der medientechnische Multiplikator der Plakataktion – wurde revidiert. Der Freiburger Rüdiger Braunbehrens hat über ein Stuttgarter Rechtsanwaltsbüro den Berliner Aktivisten eine "Abmahnung" geschickt, die Androhung einer Klage. Man halte, so der Anwalt, "einen Teil" der Aktion – den Aufruf zur Denunziation – für rechtswidrig, auch "nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt". Er fühle sich in seinen "Persönlichkeitsrechten verletzt" und habe die Einstellung der Aktion verlangt, erklärt uns Rüdiger Braunbehrens.

Das Zentrum für politische Schönheit ist der Forderung so prompt wie gefordert gefolgt. Die Website zum Enthüllungs-Projekt präsentiert sich derzeit als "von der Waffenindustrie zensiertes Kunstwerk". Das Halali ist der Form nach geblasen. Zehn Krauss-Maffei-Gesellschafter, die zur Jagd freigegeben waren, sind nicht mehr bildlich kenntlich gemacht. Burkhart von Braunbehrens ist von der Einschwärzung ausgenommen. Weil dieser "Waffenhändler", so die Version der Kunstaktivisten, sich selbst gestellt habe.

Er figuriert in der von ihnen aufgestellten Riege der Zielpersonen unter dem Label "Der Künstler". Rüdiger Braunbehrens, den Philipp Ruch als den größten Krauss-Maffei-Anteilseigner bezeichnet – die 11,25 Prozent will Braunbehrens nicht bestätigen; er habe noch nicht nachgerechnet –, wird als gelernter Krankenpfleger vorgestellt. Sozial engagiert, politisch links, musisch tätig – und dann die Waffenschmiede als Lebenshintergrund. Die Profile der Genannten sind erstaunlich. Die Kämpfer für politische Schönheit kosten die Ungereimtheit aus.

In Freiburg ist Volkmar Braunbehrens, Autor einer Mozart-Biographie, ins kulturelle Leben verflochten. Gewusst haben von seiner finanziellen Identität selbst eng Vertraute nicht. Braunbehrens ist im Förderverein des Literaturhauses; die Causa war dort noch nicht auf der Tagesordnung. Aber man wundert sich schon über das Versteckspiel. Und wenn man auch Zweifel haben darf, ob der rechtlichen Konformität der 25 000-Euro Kopfgeldaktion, – sie hat etwas ans Licht gebracht, das einige verschwiegene Vermögende gern im Dunkeln belassen hätten.

Den "zensierten" Philipp Ruch beschäftigt aber nun vor allem: wer von den Krauss-Maffei-Erben nicht doch auf der Seite des Zentrums steht. Wie Burkhart Braunbehrens, der sich exponierte, als er sich gegen den Panzerverkauf an Saudi-Arabien aussprach.

Autor: Volker Bauermeister