Das Recht auf Selbstironie

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Sa, 08. Mai 2010

Theater

Im Freiburger Vorderhaus spottet das Richterkabarett über Paragrafenreiterei.

"Manche Sachen lassen sich eben nur noch kabarettistisch bewältigen", erklärt Michaela Ecker schmunzelnd die Motivation ihres 2003 ins Leben gerufenen Richterkabaretts. Der Name ist hier kein pfiffiger Kunstgriff, sondern Programm: Alle zehn Mitglieder des Laienensembles sind Richter oder Staatsanwälte aus Deutschland, alle sind Mitglieder der alternativen Neuen Richtervereinigung und bringen aus Spaß am Spott ihre jahrzehntelange Berufserfahrung auf die Bühne.

Dass Recht keine staubtrockene oder gar todernste Angelegenheit sein muss, beweist das Richterkabarett mit seinem immer wieder aktualisierten Programm "Recht so?!" (Regie: Inken Kautter), mit dem das Ensemble bundesweit die Häuser füllt. Passenderweise ist in Freiburg gerade Verwaltungsgerichtstag und so sitzt man im ausverkauften Vorderhaus an diesem Abend auch zwischen geballter Juristerei.

In Form des klassischen Nummern-Kabaretts geht es dann ausgesprochen satirisch zwei Stunden lang dem eigenen Berufsstand an den Kragen: Mit Liedern, Sketchen, Wortspielen und immer wieder bissiger bis bitterer Selbstironie spöttelt man sich durch die Paragrafenreiterei, führt Macht- und Geldgier im Beamten-Dickicht vor oder das Absurde einer für den Laien vollkommen verrätselten Bandwurm-Sprache.

Die Fragen dahinter sind dringlich: Wie ist das mit der Unparteilichkeit, wenn einem Zeitdruck, öffentliche Meinung und Politik im Nacken sitzen? Wie lassen sich in solch strenger Hierarchie überhaupt Visionen erhalten, wie lässt sich dem Abbau von Bürgerrechten Einhalt gebieten? Mehr schlecht als recht, so die Antwort.

Dabei ist der erste Teil des Abends vor allem ein interessanter Blick hinter die Kulissen, dessen Witz und Biss sich aber dem Nichtjuristen nicht immer eröffnet. Vieles bleibt – bei aller Originalität – zeitlos-allgemein. Man hätte sich mehr zu brisanten Thema wie Asyl oder Umweltschutz gewünscht.

Doch immer wieder gelingt der Brückenschlag hin zum gemeinen Volk: Da sitzen vier alte Herren als Opfer des vermeintlichen Gesundheitsschutzes in der Kneipe. Sie knabbern bei Salzstangen, trinken Bionade, träumen von Rauch und Korn und trauen sich kaum noch zu sprechen, weil ihr CO2-Ausstoß bewiesenermaßen zu hoch ist. Wo soll das alles enden? Vielleicht bei der Urin-Analyse, die heimlich den Alkoholwert jedes einzelnen Gastes feststellt, und deren Daten schon längst bei den zuständigen Polizeistationen gelandet sind. Wer weiß?

-– Vorstellung: heute, Samstag, 20 Uhr. Karten: Tel. 01805/ 55 66 56.