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26. Januar 2009

Die Faszination der großen Leinwand

WIEDERSEHEN! Die Kinolandschaft in Freiburg hat sich im vergangenen Jahrhundert immer wieder gewaltig verändert

  1. Foto: Michael Bamberger

  2. Auf dem um 1910 entstandenen Foto befindet sich das Apollo Kino-Theater im Erdgeschoss des Gebäudes Kaiserstraße 25a. An Stelle dieses Gebäudes befindet sich heute das Haus der WWK Versicherungen am Leopoldring 5. Foto: Archiv Manfred Gallo / Michael Bamberger

FREIBURG. Freiburgs Kino-Geschichte reicht zurück bis in die Anfänge der bewegten Bilder: Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es entsprechende Vorführungen von Schaustellern. Doch trotz der um sich greifenden Filmbegeisterung war das 1908 eröffnete Kino "Apollo" an der heutigen Leopoldstraße nur recht kurz im Geschäft.

Am 1. November 1895 hat im Berliner "Wintergarten" an der dortigen Friedrichstraße die erste öffentliche Kinovorführung der Welt stattgefunden. Zuvor hatten die Brüder Max und Emil Skladanowski ebenso wie der Kinotechniker Oskar Meßter, die Franzosen Auguste und Louis Jean Lumière und der amerikanische Ingenieur Thomas Alva Edison dazu beigetragen, den "Kinematographen" vorführungsfähig zu machen. Diese Kinematographen waren die ersten Geräte zur Aufnahme und Wiedergabe bewegter Bilder – also Filmaufnahme- und Filmprojektionsapparate in einem. Dabei wurde die Kamera mit einer Handkurbel gedreht. Das Wort "Kino" ist von Kinematograph (wörtlich übersetzt: "Bewegungsschreiber") abgeleitet. Eines der ersten Kinos überhaupt hatte den Namen "Das lebende Bild". Sein Inhaber war Karl Knübbel in Berlin-Neukölln.

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Auch in Freiburg gab es die bewegten Bilder schon kurz nach der Erfindung des neuen Mediums zu sehen. Gemäß dem Motto "Hereinspaziert, hereinspaziert..." war es das fahrende Volk, das schon vor 1900 auf dem Messplatz im Stadtteil Stühlinger erste Vorführungen mit Kinematographen gab. Die Spieldauer der einzelnen Stummfilme, die von einer Musikkapelle begleitet wurden, betrug aber jeweils nur wenige Minuten. Auch Vorführungen mit Phono-Kinematographen (also inklusive Ton) gab es auf der "Mess", jedoch erst nach der Jahrhundertwende.

Freiburgs allererstes Kino befand sich da, wo heute die Sparkasse residiert
Die Welt-Kinematograph GmbH war einst das größte Unternehmen, das in deutschen Großstädten Kinobetriebe eröffnete. Das Welt-Kino war denn auch ab Dezember 1906 das erste Kino in Freiburg. Es befand sich in der Kaiserstraße 68 (heute Kaiser-Joseph-Straße) im Haus der Oberrheinischen Kreditbank (heute befindet sich dort die Hauptstelle der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau). Eine Vorstellung dauerte etwa eine Stunde und wurde mit Klavier begleitet.

Als zweites Kino in Freiburg eröffnete am 25. März 1908 das Apollo in der Kaiserstraße 25 a am Rande von Herdern-Neuburg. Das Gebäude Kaiserstraße 25 am Siegesdenkmal war damals das Meriansche Haus (auch als AEG- und Schunckhaus bekannt). Die Kaiserstraße setzte sich östlich (Richtung Schlossberg) mit den Häusern Kaiserstraße 25a bis 25d fort und schloss an der Ecke Karlstraße mit der Reichsbankstelle (heute Bundesbank-Filiale) ab. Aus der Kaiserstraße 25a wurde ab der NS-Zeit nach und nach erst die Adolf-Hitler-Straße 5, dann die Schlageterstraße 5, die Erasmusstraße 5 und zuletzt der Leopoldring 5.

Die um 1910 entstandene historische Aufnahme zeigt im Erdgeschoss das Kino-Theater Apollo und rechts daneben mit den geschlossenen Rollläden das Wiener Café. Im ersten Stock befand sich die Damenschneiderei Fanny Burg. In den Etagen darüber waren Wohnungen.

Die Lichtspielhäuser sorgten für ein Theatersterben
Für Kinos, deren Anzahl stark zugenommen hatte, gab es 1912 in Deutschland bereits mehr als zehn Millionen Besucher. Damit waren sie auch zu einer ernsthaften Konkurrenz der Theater geworden, die bis 1912 schon zweiundzwanzig Bühnen geschlossen hatten. Das Kino-Theater Apollo selbst allerdings gab es nur einige Jahre. Es wurde in den Freiburger Adressbüchern zuletzt 1913 erwähnt. Das schöne Haus, in dem es sich befunden hatte, war 1887/88 von den Architekten Walther, Jacobsen und Bauer erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde es total zerstört. An der Stelle des früheren Gebäudes steht heute das Haus der WWK-Versicherungen.

Kino-Landschaft hat sich immer wieder einschneidend verändert
Die Freiburger Kino-Landschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einschneidend verändert. Unter anderem eröffneten und schlossen Kinos an der Schützenallee, an der Löwenstraße (das ehemalige Astoria nutzt nun die Freikirche Calvary Chapel), im Freiburger Theater, im Einkaufszentrum Schwarzwald-City und am Hauptbahnhof. Heute betreibt der Freiburger Unternehmer Michael Wiedermann die Friedrichsbau-Kinos an der unteren Kaiser-Joseph-Straße, die Harmonie-Kinos an der Grünwälderstraße und den Kandelhof in Herdern. Die bundesweite Kino-Center-Kette Cinemaxx hat ihre Freiburger Niederlassung an der Bertoldstraße. Die Geschichte des nicht-kommerziellen Kommunalen Kinos – inzwischen im Alten Wiehrebahnhof beheimatet – reicht zurück bis ins Jahr 1972.

Autor: Manfred Gallo