Ausstellung

Die Fondation Beyeler in Riehen zeigt ihre Picasso-Sammlung

Michael Baas

Von Michael Baas

Fr, 18. Januar 2019 um 12:33 Uhr

Kunst

Die Fondation Beyeler eröffnet ihren Picasso-Schwerpunkt mit der um Dauerleihgaben erweiterten Präsentation der eigenen Sammlung.

Die Galeristen und Kunstsammler Ernst und Hildy Beyeler pflegten eine besonders enge Beziehung zu Pablo Picasso. Das Ehepaar, das die Rollen als Galerist und Sammler konstruktiv verknüpfte wie wenige andere, hat mehr als 1000 Werke des legendären spanischen Großkünstlers verkauft; parallel betrieb es diesen Brotberuf des Kunsthandels aber auch früh mit dem Hintergedanken eines Museums und nutzte in der Vermittlung erwachsende Spielräume in dem Sinn. Daraus resultiert mit 34 Werken eine der bedeutendsten privaten Picasso-Sammlungen. Ergänzt um einige Dauerleihgaben ist diese das Rückgrat der ersten Ausstellung, die die Fondation als Baustein ihres großen Picasso-Schwerpunktes im ersten Halbjahr in Riehen zeigt.

Die Rückkehr eines Harlekins

Die chronologisch angeordnete, von Raphaël Bouvier kuratierte Schau macht das Werk nach einem dokumentarischen Einstieg, der spotartig auch die von Beyeler zwischen 1967 und 2005 organisierten Picasso-Ausstellungen Revue passieren lässt, in den großen Bögen sichtbar. Das beginnt mit der protokubistischen Phase, die sich nach 1907 an das Frühwerk der Blauen und Rosa Periode anschließt. Die Objekte – seien es Gläser, Flaschen oder Gitarren wie in der großen, brauen Version von "Musikinstrumente auf dem Tisch" von 1924 – werden da so zerlegt und umarrangiert, dass sie in der Komposition verschwinden. Dieser Spot zeigt übrigens auch einen "Harlekin" aus der Sammlung des Staechelin Family Trusts, die dieser 2014 aus dem Basler Kunstmuseum abgezogen hat und nun zurückbringt nach Basel als Dauerleihgabe an die Fondation, die jetzt erstmals ein Werk des Trusts in der neuen Konstellation zeigt.

Die weiteren Stationen folgen den Schaffensphasen Picassos. Da poppt die Annäherung an die Surrealisten auf mit bizarren Figuren, die zwischen geometrischen Formen verschwinden, wie die "Frau im Sessel" von 1927. Das sind aber auch Arbeiten zu sehen, die auf Marie-Thérèse Walter referieren, der Picasso 1927 begegnet war, und die eine seiner Musen wurde. Zu sehen ist da unter anderem "Die Rettung", eine 1932 entstandene werkgeschichtlich wichtige Arbeit, die Beyeler persönlich aus Picassos Fundus auswählen durfte. Sie zeigt drei Frauenfiguren, die zu einer Gebärde verschmelzen. Dieses hier noch bunte Motiv der Geretteten taucht später wieder in "Guernica" auf, dem 1937 entstandenen monumentalen Bildkommentar zur Bombardierung der baskischen Stadt im spanischen Bürgerkrieg.

Grau wird die Bedrohung durch die Weltkriege gezeichnet

Arbeiten aus den späten 30er- und 40er-Jahren vergegenwärtigen die Reduktion der Farbpalette, den Verzicht auf alles Bunte. Diese düsteren in Schwarz-Weiß- und Grautönen gehaltenen Werke sind nicht zuletzt Reaktion auf die Bedrohungen der Welt durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg.

Diese Malerei in Grau setzte Picasso teils bis in 60er-Jahre fort. Das zeigt unter anderem der "Raub der Sabinerinnen" ein expressives, fast apokalyptisches Bild, das einmal mehr die vielen Quellen Picassos andeutet – etwa die Arbeiten eines Pieter Bruegel aus dem 16. Jahrhundert. Auch die Frauenbilder und -akte, ein alle Perioden des Schaffens durchziehendes Sujet, zeigen seit den späten 30er-Jahren andere Facetten: Nun erscheint die Frau als Bedrohung und als monströse Kampfmaschine wie in dem 1938 von seiner neuen Muse Dora Maar inspirierten Ölgemälde "Frau auf einem Stuhl".

Im Spätwerk und dem da wohl schon imaginären Kampf mit der Vergänglichkeit des Lebens, das im abschließenden achten Raum aufscheint, entstehen wieder virile, erotisch aufgeladene, farblich teils schrille Werke, die zwischen Lebensfreude und Melancholie oszillieren, wie der "Männerkopf" von 1972, der in Details wie der gestreiften Kleidung auch auf Picasso selbst verweist.

Die Rückwendung zum Figurativen

Gleichsam einen komprimierten Blick auf das Oeuvre bietet ein Kabinett mit Zeichnungen und Druckgrafik. Hier sind frühe kubistische inspirierte Arbeiten versammelt, wie ein um 1910 entstandener Männerkopf, der ins Abstrakte gleitet; dazu gehören aber auch Werke, die die Rückwendung zum Figurativen dokumentieren, wie ein klassizistisches Pastell eines Frauenkopfes, die Schmerzensbilder seiner Geliebten Dora Maar aus den späten 30er-Jahren und jugendstilhafte, poppig anmutenden Zeichnungen aus den 60er-Jahren, die Erotik und Sinnlichkeit verströmen – eine fesselnde Vielfalt, die nicht nur die Einflüsse vergegenwärtig, die auch auf diesen Einflussreichen wirkten, sondern das Werk nach 1907 in den Grundlinien kompakt darstellt. Das ist allemal eine gute Ergänzung und Prolog all dessen, was in "Blau" und "Rosa" noch kommt und zusammen den "ganzen Picasso" ergibt.
Sammlungspräsentation

Montag bis Sonntag,10 bis 18 Uhr, Mi. bis 20 Uhr, bis 5. Mai; Fondation Beyeler, Riehen. Zur Museumsnacht 18. Januar, 18 bis 2 Uhr, mit Fotobox, Picasso-Rendevouz, Führungen (18 bis 22 Uhr) und Taschenlampentouren ums Museum.