Die schönste Arbeit der Welt

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Fr, 21. April 2017

Theater

BZ-PORTRÄT: Nuscha Nistor und Mathias Willaredt-Nistor verbindet Leidenschaft fürs Theater.

Auch wer sie nicht näher kennt: Nach wenigen Minuten bereits ist klar, dass hier zwei Menschen sitzen, die für das Theater brennen. Für das Theater – und für den Beruf des Schauspielers, denn Nuscha Nistor und Mathias Willaredt-Nistor sind Dozenten an der Freiburger Schauspielschule. "Das ist die schönste Arbeit der Welt", sagt die 63-jährige gebürtige Rumänin, die dort bereits seit 1985 Schauspiel und Bewegung unterrichtet. Ihre Eleven nennt Nuscha Nistor allesamt "Kinder" – es sind Hunderte, die sie in den mehr als 30 Jahren ausbildete und deren beruflichen Werdegang sie so lang wie möglich verfolgt.

Ihren Mann, den aus Karlsruhe stammenden Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen, lernte Nuscha Nistor in den 80er Jahren in Freiburg kennen. 1979 war die an der Film- und Theaterakademie Bukarest ausgebildete Schauspielerin vor der Herrschaft des Diktators Nicolae Ceausescu nach Deutschland geflohen und 1980 zunächst auf ihren "Lieblingskontinent" Lateinamerika weitergereist. In Mexiko gründete sie ein Frauentheater, kehrte 1984 zurück nach Freiburg. Hier lebte bereits Andrea Moll, die sie aus Temeschwar kannte, wo beide am Nationaltheater engagiert gewesen waren. Moll gründete die Schauspielschule – und Nuscha Nistor war dabei. "Andrea Moll habe ich alles zu verdanken! Anfangs wollte ich gar nicht lange bleiben, aber einmal infiziert – für immer infiziert. Doch es sind gute Bakterien!", sagt Nuscha Nistor und strahlt.

Rumänien, ein Land mit einer langen Theatergeschichte, öffnete sich nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in den 90er Jahren – und auch nach Freiburg kamen Regisseure, um ihre Arbeiten hier vorzustellen. "Alex Darie inszenierte 1993 Pirandellos ‚Die Riesen vom Berge‘ in der Pfeilerhalle im E-Werk", erinnert sich Willaredt-Nistor, "und er war es gewohnt, dass ihm ein Musiker zur Seite gestellt wurde". Dafür hatte in Freiburg niemand gesorgt, aber Nuscha Nistor empfahl kurzerhand – "und ohne das abzusprechen" – ihren Mann. "Ich hatte nie zuvor Theatermusik gemacht", sagt der imposante 58-Jährige mit dem charakteristischen weißen Zopf rückblickend, "aber vom Anfang einer Produktion an mit auf der Bühne zu sein, Musik auf den Leib zu schreiben, das hat mich gleich begeistert".

So ist es bis heute. In der Schauspielschule unterrichtet jeder seinen eigenen Schwerpunkt – im 2009 gegründeten freien Theaterensemble Puck arbeiten sie Hand in Hand. Mindestens ein Stück im Jahr bringen sie heraus – ihre Handschrift ist poetisches, durchaus auch gesellschaftspolitisch relevantes Bewegungstheater mit Musik. "Uns interessiert, was wir noch nicht kennen", sagt Nuscha Nistor. Wenn sie ein Theaterstück inszenieren, so sei das, wie auf eine Reise zu gehen, erzählen die beiden. Seit vielen Jahren bereichern sie mit diesen Reisen und mit der Vermittlung der "Reiseliteratur" an junge Schauspielerinnen und Schauspieler das Freiburger Kulturleben.