Ein Segelboot setzt über

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Sa, 08. Dezember 2018

Basel

Fürs Basler Museum der Kulturen endet am Sonntag das Jubiläumsjahr, fürs Münster beginnt es.

Wenn ein kirchliches Jubiläum im Dezember gefeiert wird, dann kommt man um die weihnachtliche Symbolik nicht herum. Am kommenden Sonntag, 9. Dezember, beginnen die offiziellen Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen des Basler Münsters. Gleichzeitig endet im Dezember das große Jubiläumsjahr des Basler Museums der Kulturen. Des einen Ende ist des Anderen Anfang und so feiern am Sonntag Museum und Münster gemeinsam. Schließlich sind beide Institutionen Nachbarn auf dem Münsterberg.

Mit dem feierlichen Aus- oder Einklang werden die Gemeinsamkeiten von Ethnologie und Theologie deutlich, sagte Museumsleiterin Anna Schmid am Freitag vor den Medien. Der Ethnologe wisse viel über fremde Religionen, wisse sie einzuordnen und habe zu allem eine gewisse Distanz, nur bei der eigenen Religion versage dieser professionelle Wissensdurst. "Wir sind alle christlich geprägt," sagt sie "selbst, wenn wir uns von den Kirchen entfernt haben."

Übersetzen ist das Thema des gemeinsamen Feierns. Weil das Jubiläum von einer Seite des Münsterbergs zur anderen übersetzt, weil Ethnologie die Lebensmodelle anderer Menschen in die heutige Zeit übersetzt, weil die Theologie die Bibel nicht nur aus fremden Sprachen, sondern auch fürs Verständnis der heutigen Menschen übersetzt. Der Staffelstab auf dem Münsterberg ist deshalb ein Boot, ein Segelboot als Modell hergestellt auf den Gawa-Inseln in Papua-Neuguinea. Vom Museum wird es ins ins Münster ausgeliehen, wo es bis 6. Januar vor Anker geht. Womit die Verbindung zur Adventszeit wieder geschaffen ist, denn das alte Adventslied "Es kommt ein Schiff geladen" ist so etwas wie das musikalische Grundthema an diesem Sonntag. Von Museumsseite wird an die Familie Sarasin erinnert, deren Sammlung ein Grundstein des Museums war. In einer Art High-Tech-Puppenspiel erzählt Fritz und Paul Sarasin viel von ihren Reisen und daran schließt sich die Reflexion über Museumsarbeit heute an.

Die Stabsübergabe steht unter dem Thema Übersetzen

Das großangelegte Jubiläum zum 125- jährigen Bestehen des Museums der Kulturen hat für Anna Schmid die Tür für mehr Partizipation geöffnet. Über die große Teilnahme an der Aktion "Wünsch dir was", bei welcher Bürgerinnen und Bürger sich Stücke aus dem Depot für die Ausstellung wünschen konnten, freut sich die Direktorin noch immer. Sie ersetzt in diesem Jahr die traditionelle Weihnachtsausstellung. Wunscherfüllung passt schließlich zu Weihnachten. Die Objekte stehen oftmals nur sinnbildlich für die Erinnerung an die Kindheit, an den Urlaub, auch diese Ausstellung ist in gewissem Maße Übersetzung und zwar der eigenen Vorstellungswelt, der Wünsche und Emotionen transformiert in einen Gegenstand. Noch viel mehr gilt dies für ein Gebäude.

Das Basler Münster ist viel mehr als nur die Pfarrkirche der Münsterberggemeinde. Das Münster ist ein Symbol der Stadt, Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Über den Zusammenhang von Ort, Gebäude und Menschen, die darin wohnen oder sich aufhalten spricht die Münsterpfarrerin Caroline Schröder Field. Sie nimmt die Teilnehmer einer Führung mit ins Münster. Halt macht sie dort unter anderem beim Epitaph von Erasmus, dem großen Übersetzer.

Beim Festakt in Form einer Bootsübergabe, der um 15 Uhr im Museum beginnt und um 16.30 Uhr im Münster endet, spricht neben Anna Schmid und der baselstädtischen Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann der Basler Architekt Peter Zumthor. Auch er ist ein Übersetzer, er übersetzt die Bedürfnisse der Menschen in den umbauten Raum. Den Abschluss bildet das Adventskonzert der Basler Knabenkantorei. Auch im Konzert wird wieder an das geladene Schiff erinnert werden, so schließt sich dann der Kreis.

Das genaue Programm sowie einen Ausblick aufs kommende Jubiläumsjahr unter http://www.baslermuenster.ch