Gesten zum Ausleihen

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Fr, 07. Dezember 2018

Theater

BZ-INTERVIEW: Am Samstag findet in Freiburg eine interaktive Kunst- und Wissenschaftsausstellung zum Thema "Körperbild" statt.

Wie fühlt sich eine Bein-Prothese an? Wie verändert sich das eigene Körperbild bei einer Erkrankung wie Parkinson oder dem Gebrauch des Smartphones? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Künstlerinnen und Künstler und der Exzellenzcluster BrainLinks-BrainTools in Kooperation mit Studierenden des University College Freiburg. Am Samstag präsentieren sie ihre interaktive Kunst- und Wissenschafts-Ausstellung. Marion Klötzer sprach mit den Projektleitern Oliver Müller (Philosophie) und Vanessa Valk (Puppenspielerin).

BZ: Forschung trifft Kunst – wie kam es zu diesem Projekt?
Müller: Im Rahmen von "Nexus Experiments" entwickeln wir ja schon seit 2013 Formate und Plattformen, um Wissenschaft erlebbar zu machen und mit ihren sozialen und ethischen Fragen aus dem Uni-Kontext hinein in die Gesellschaft zu tragen. Um die Neurotechnologie zu reflektieren, hatten wir diesmal die Idee, das Thema "Körperbild" mit Künstlerinnen und Künstlern zu erschließen.
Valk: Als Puppenspielerin versuche ich ständig, mein eigenes Körperbild mittels Figuren oder Material zu erweitern, in Bewegung zu setzen und so innere Bilder erfahrbar zu machen. Die Wirkung von "Körpererweiterungen" wie Implantate oder Hirnelektroden ist mir als Gedanke nicht fremd: Mein Gehirn beispielsweise bewegt meinen Körper, der wiederum die Puppe bewegt, durch deren Augen ich dann sehe. Da könnte ich super einen dritten Arm gebrauchen (lacht)...
BZ: Seit Oktober konzipiert ein sechsköpfiges Künstlerteam mit 17 Studierenden dieses interaktive Mini-Festival. Was ist da passiert?
Valk: Nach einem theoretischen Input forschten wir in vier Workshops über das eigene Körperbild und dessen Verfremdungen: Winnie Luzie Burz mit Figuren, Olivia Maridjan-Koop über den Tanz, Christoph Kopp mit Schauspielmethodik und Patricia Nocon transdisziplinär. Bei Jens Burde liefen die Fäden dann zusammen: Es wurden Installationen und Stationen entwickelt und gebaut.
Müller: Besonders spannend sind die bei der Recherche entstandenen Interviews, die in Ausschnitten auch bei der Ausstellung zu hören sein werden: Hier erzählen Patienten sehr eindrucksvoll von ihren ganz direkten Erfahrungen mit schweren Krankheiten und Einschränkungen in Bezug auf ihr Körperbild und auch, wie technische Hilfsmittel das Körperbild verändern.
BZ: Was erleben Besucher am Samstag?
Valk: Es werden zwei halbstündige Workshops angeboten, bei denen Erfahrungen in puncto eigenem Körperbild gemacht werden können und auch wie das im Spannungsfeld zu einer zu verkörpernden Rolle erlebt wird. Es finden Experimente mit dem Smartphone statt, das "Kabinett der Mechanik" ist eine Figurentheater-Performance über den Facettenreichtum der "Normalität". In der "Gestiathek" gibt es Gesten zum Ausleihen, in der "Garderobe für Körpererfahrungen" Objekte zum Ausprobieren. In der "Diskutierbar" kann man einen Experten treffen, eine Ausstellung zeigt neurotechnologische Objekte, in der Station "Körperbild zeichnen" kann man sich zum eigenen Körperbild befragen und parallel eine Zeichnung des Gehörten anfertigen lassen. Bei all dem haben wir möglichst ungewöhnliche, künstlerische Zugänge gesucht, die unsere Denk- und Erfahrungsprozesse begreifbar machen: eine Art Versuchslabor zum Mitmachen, Spüren und Nachdenken.

"Selbst-Built", Sa, 8.12., 16–21 Uhr, Freiburg Institute für Advanced Studies (FRIAS), Albertstr. 19. Programm, Anmeldung unter: http://www.nexusexperiments.uni-freiburg.de