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27. Januar 2010
Karneval der Oper
TICKET-INTERVIEW: Jimmy Chiang dirigiert Ligetis "Le Grand Macabre" in Freiburg
Erst seit dieser Spielzeit ist Jimmy Chiang Kapellmeister am Freiburger Theater. Nun leitet der 32-jährige Dirigent die Freiburger Premiere von György Ligetis grotesker Oper "Le Grand Macabre". Georg Rudiger sprach mit ihm über Autohupen, Karneval und die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Calixto Bieito.
Ticket: Eigentlich war Generalmusikdirektor Fabrice Bollon für die Premiere von "Le Grand Macabre" vorgesehen. Nun werden Sie aber am Pult des Philharmonischen Orchesters Freiburg stehen. Wann haben Sie davon erfahren?Jimmy Chiang: Bei den Planungen für diese Spielzeit vor über einem Jahr war ich hier noch gar nicht engagiert. Es war geplant, dass ich Folgevorstellungen der Oper dirigieren werde, so dass ich mich sofort intensiv mit dem Werk beschäftigt habe. Im Sommer erfuhr ich, dass mir die Theaterleitung zutraut, die gesamte Einstudierung und die Premiere zu machen.
Ticket: Mit "Le Grand Macabre" haben Sie es mit einer ungewöhnlichen Oper zu tun. Das Stück beginnt mit Autohupen. Was war Ihr Eindruck, als Sie die Oper zum ersten Mal anhörten?
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Ticket: Wo liegen die Schwierigkeiten für das Orchester und Sie?
Chiang: Die Orchestermusiker müssen häufig solistisch und ganz eigenverantwortlich spielen. Viele Stellen müssen absolut präzise gespielt werden. In der Partitur gibt es sehr viel Information – dies muss ich so klar wie möglich vermitteln.
Ticket: Sie stammen aus Hongkong, haben als Pianist begonnen.
Chiang: Mit Klavier habe ich schon mit vier Jahren angefangen, mit dreizehn hatte ich mein erstes Solokonzert mit Orchester. Aber ich wusste immer, dass ich dirigieren möchte. Meine Mutter ist Sängerin und Chordirigentin, auch mein Vater hat viel mit Musik zu tun gehabt. Ich habe früh auch selbst gesungen und gelegentlich kleinere Ensembles dirigiert. Zum Klavierstudium bin ich 1996 nach Texas gegangen. Als Pianist begleitete ich an der dortigen Musikhochschule viele Instrumentalisten bei Prüfungen. Wir machten einen Deal. Ich nahm kein Honorar, dafür mussten die Freunde bei mir im Orchester spielen. So konnte ich dirigieren.
Ticket: Danach kam Wien.
Chiang: Ja. Von 2001 bis 2006 habe ich bei Wolfgang Watzinger Klavier und bei Erwin Ortner und Leopold Hager Dirigieren studiert. Ich war Hagers letzter Schüler. Auch von Seiji Ozawa konnte ich bei einem Kurs viel lernen. In Wien habe ich immer noch einen Wohnsitz.
Ticket: Mit Calixto Bieito haben Sie es mit einem renommierten und umstrittenen Opernregisseur zu tun. Wie ist die Zusammenarbeit?
Chiang: Sehr gut. Ich versuche, die Sänger so zu führen, dass sie sich wirklich frei auf der Bühne fühlen – das ist Calixto sehr wichtig.
Ticket: Sie sprachen von der engen Verbindung zwischen der Musik und der Szene. Ein Beispiel?
Chiang: Da gibt es viele. In der zweiten Szene, bei den Sexspielchen zwischen Mescalina und Astradamors, werden die Peitschenschläge von den Schlagzeugern gespielt, beim Weltuntergang in der dritten Szene klingen die Posaunen der Apokalypse. Ganz szenisch ist der Einmarsch von Nekrotzar mit seinem Gefolge – eine Parade mit Sirenen und einzelnen solistischen Bläsern. Diese Musik erinnert mich an Karnevalszüge. Karneval ist ja die entscheidende Metapher.
Ticket: Was gefällt Ihnen an der Inszenierung?
Chiang: Das Bühnenbild mit der Spirale ist toll. Auch gefällt mir, dass trotz Zuspitzung und Groteske ein ernstes Thema anklingt. Der Tod ist omnipräsent. Vielleicht schaffen wir es ja, dass man weniger Angst vor dem Tod hat, wenn man nach der Vorstellung nach Hause geht.
Termine: Freiburg, "Le Grand Macabre", Theater, Großes Haus, Premiere: Sa, 30. Jan., 19.30 Uhr; weitere Aufführungen:
4., 6., 20. Feb., 15. und 17. April; Info: BZ-Kartenservice Tel. 01805/556656
Autor: ruge


