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13. Mai 2013 00:00 Uhr

Baden-Baden

Kinder-Musik-Museum "Toccarion" hat eröffnet

Abenteuerspielplatz mit Instrumenten: Im Baden-Badener Festspielhaus wurde die Kindermusikwelt "Toccarion" eröffnet – Künstler bieten dort auch Workshops an.

  1. Manches ist im Toccarion besonders groß: Kinder an einer Riesen-Blockflöte Foto: dpa

Die Aufforderung "Bitte nicht berühren" kennt man von vielen Museen. In der am vergangenen Freitag eröffneten, neu entstandenen Kindermusikwelt der Sigmund-Kiener-Stiftung im Festspielhaus Baden-Baden gilt das Gegenteil. "Toccarion" hat der Namensschöpfer Manfred Gotta das interaktive Museum getauft, das in den aufwändig restaurierten Räumen im früheren Fürstenbahnhof auf 600 Quadratmeterfläche einen musikalischen Abenteuerspielplatz ausbreitet. Toccare – Berühren auf Italienisch, der in der Musikwelt häufig verwandten Sprache – ist das Motto. Da können Hannes Feßmanns in Lamellen geschnittene Klangsteine gestreichelt und die in den Boden eingelassenen Tasten des Walking Piano von Remo Saraceni mit den Füßen ausgelöst werden. Am Eröffnungstag hauen Kinder einer fünften Klasse des Gymnasiums Hohenbaden in Baden-Baden auf die Pauke, bauen Beats und dirigieren ein virtuelles Orchester. Von überall erklingt Musik, die sich mit den Kinderstimmen mischt.

Getragen wird das Haus von einer Stiftung

Die Stiftung des Baden-Badener Unternehmers Sigmund Kiener hat die rund vier Millionen Euro, die für die Renovierung des Fürstentrakts des ehemaligen Baden-Badener Bahnhofs und für die Einrichtung des Museums notwendig waren, bereit gestellt und sorgt auch für den Unterhalt. "Kinder brauchen kreative Räume, um Musik erleben zu können. Sie gehen gestärkt durchs Leben, wenn sie Musik frühzeitig erfahren", sagt Kiener. Andreas Mölich-Zebhauer, Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, ergänzt: "Hier wird nun Musik im wahrsten Sinne des Wortes begriffen. Wie wollen zum Mitmachen animieren, da man erst durch die eigene Erfahrung letztlich auch den Genuss an der Leistung anderer Künstler steigern kann."

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Zwei große Künstler sind schon bei der Eröffnung dabei. Anna Netrebko und ihr Lebensgefährte Erwin Schrott, die beim "Don Giovanni" der Pfingstfestspiele Baden-Baden gemeinsam auf der Bühne stehen werden, kommen gut gelaunt in das Blitzlichtgewitter und hüpfen gemeinsam mit den Kindern auf der Klaviatur des Walking Piano. "Penderecki", kommentiert Schrott trocken die wilden Klänge. Um sich danach gemeinsam mit seiner Partnerin als Dirigent zu versuchen. Berührungsängste kennen die beiden Gesangsstars jedenfalls nicht.

Auch in Zukunft werden immer wieder Künstler, die im Festspielhaus Baden-Baden auftreten, im Toccarion in Workshops mit Kindern Musik machen. Am 25. Mai etwa zeigt der Geiger Maxim Vengerov die Welt der Streichinstrumente. Bei Rolando Villazóns Workshop (22. Juni) geht es um die Faszination der Stimme. Auch Orchestermusiker sind immer wieder zu Gast wie die Holzbläser des Balthasar-Neumann-Ensembles (13. Mai) und stellen ihre Instrumente näher vor.

Die Kindermusikwelt richtet sich an Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Kostenpflichtige Gruppenführungen für maximal 25 Personen gibt es für Kindergärten, Grund- und Musikschulen sowie Vereine nach vorheriger Anmeldung. Sie werden von einem sogenannten Musiklotsen betreut. Am Wochenende besteht auch die Möglichkeit zur individuellen Teilnahme an Führungen. Anmeldungen sind möglich übers Internet oder telefonisch.

Der Rundgang beginnt im Untergeschoss mit dem Themenbereich "Gesang und Stimme". In einem von Michael Bradke gestalteten Raum hören die Kinder Obertongesang, der mit unterschiedlichen Farben kombiniert wird. Dann müssen sie selbst aktiv werden und ihre eigene Stimme entdecken, die bei einer Station durch verschiedene Verzerrer ganz tief klingt wie ein Monster oder hoch wie Micky Maus.

Viel Technik steckt auch im neu entwickelten "Rhythmus-Radar" im Themenbereich "Rhythmus und Tanz". Hier können mit einzelnen Bausteinen komplette Beats gelegt und immer wieder verändert werden. Selbst die eigene Stimme kann man aufnehmen und so zum Teil eines Rap machen. Im Erdgeschoss in den Prunkräumen des ehemaligen Fürstenbahnhofs stehen dagegen klassische Orchesterinstrumente zum Ausprobieren bereit – und das wie beim Cello oder der Harfe auch in Kindergröße.

"Wir wollten bei Toccarion eine Mischung aus Technik und Naturklang. Die Schönheit mancher Instrumente ist uns ebenso wichtig wie eine ‚coole’ Simulation", sagt Rüdiger Beermann, der für das pädagogische Gesamtkonzept verantwortlich ist. Eine echt coole Simulation ist das "Virtuelle Orchester". Hier kann man mit einem Stab das auf eine große Leinwand projizierte Orchester dirigieren. Wenn das Kind den Takt nicht hält, klingt es schräg und das Bild verschwimmt. Über bestimmte Felder auf dem Boden lassen sich Orchestergruppen aktivieren oder streichen. So kann man sehen und hören, wie das Finale von Beethovens 5. Symphonie ohne Streicher klingt. Oder wie dürftig es tönt, wenn nur der Pauker übrig bleibt.
– Toccarion im Festspielhaus Baden-Baden. Infos und Anmeldungen: http://www.toccarion.de oder Tel. 07221/3013 101.

Autor: Georg Rudiger