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10. Mai 2010
Lucky raucht sich tot
Die Jugendclubs des Theaters Freiburg mit neuen Stücken.
Abschied von der Kindheit, Identitätssuche, Zukunftsängste, neue Medien – die brennendsten Themen tauchen immer wieder auf. Und trotzdem sind die Jugendclub-Präsentationen des Theaters Freiburg jedes Mal ein Erlebnis: So unterschiedlich sind Zugang und Umsetzung, so originell die daraus entwickelten, theatralen Formen. So auch beim diesjährigen "Showdown" im Werkraum, in dem sechs Jugendclubs mit fast siebzig spielwütigen Mitgliedern zwischen zehn und 21 Jahren ihre Kurzstücke zeigen. Die ersten drei spannten jetzt einen schillernden Bogen zwischen Nabelschau und Gesellschaftskritik, frecher Spiellust und berührender Aufrichtigkeit.
"Wirklichkeit – bis Du schon drin?" nennt sich das Projekt der neun Schülerinnen von Club 1, die unter Leitung von Gregor Glogowski, Benjamin Glück und Andreas H. Schmid ihre Erfahrungen mit Online-Communities wie schuelerVZ oder Facebook in ebenso düstere wie satirische Szenen packten. Denn wer träumt ihn nicht, den Traum vom Dabeisein, von tausend neuen Freunden, Flirts und Abenteuern? Die Akteurinnen legen den Focus auf die Schattenseite: Zeigen Mobbing, groteske Abhängigkeiten und exzessive Zeitvergeudung, bis sie schließlich den digitalen Freitod wählen und hinausgehen ins wahre Leben, um endlich mal zu kuscheln statt zu gruscheln. Nur eine kann’s nicht lassen und hämmert in die Tastatur. "Bin noch schnell Eisessen..."
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"Was ist bloß mit unseren Superhelden passiert?" fragt sich Spielclub 2 in "Lucky Luke ist tot" (Leitung: Michael Kaiser, Anita Wunderle) – und präsentiert dazu ein Feuerwerk aus verrückten Antworten: Da schafft es eine versoffene Mary Poppins fast zur Supernanny ins RTL, Winnie Pu läuft in Barbies Selbsthilfegruppe Amok, weil er jetzt sofort seinen Honig will, die drei Fragezeichen sind zur multiplen Persönlichkeit mutiert, Lucky Luke raucht sich tot und Bibi Blocksberg sieht sich nach ihrem Relaunch einer völlig zerrütteten Familie ausgesetzt. Das ist gerade in all seiner Übertreibung sehr witzig, birgt aber auch einen schmerzhaften Verlust: Immer wieder treten die Jugendlichen so aus ihren schrillen Fantasien heraus und erzählen am Mikro von ihrer Kinder-Lieblingskassette, von ihren damaligen Vorbildern, Ängsten und Träumen. Einen Weg zurück gibt es nicht, aber ein bisschen Geborgenheit spendet Pu bis heute.
Mehr Performance als Theaterstück zeigt Spielclub 3 in "Die Unsichtbaren" (Leitung: Luzius Heydrich, Moritz Jüdes, Mathias Lodd). Ausgehend von der Produktion "Lüg mir mein Gesicht" wählt man hier den exemplarischen Blick: Sind wir nun die Generation "Nicht-Aufstehen-wollen" oder die Generation "i Pod", "Revoluzzer", "Fahrstuhlmusik" oder "Praktikum"? Ausprobieren! In einem wilden Happening wird nun mal Sitzblockade gespielt, mal Party, Model-Casting, Auswandern oder romantische Liebe. Dabei entwickelt sich die jeweilige Szene scheinbar völlig spontan, verdichtet sich zu grotesken Statements und medialen Klischees, um dann wieder ins fröhliche Chaos zu zerfransen. Das ist rotzfrech, intelligent und vibriert vor Energie und Sprachwitz. Vor allem aber steckt es voll bissiger Ironie.
– Jugendclub 1–3 noch einmal am 20.6. Jugendclub 4–6: am 15., 16.5. u. 19. 6., jeweils 18 Uhr. Werkraum, Theater Freiburg. Karten: Tel. 0761/ 201–2853.
Autor: Marion Klötzer
