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13. Januar 2009

Rüsten für große Wagner-Schlachten

Unter neuen Vorzeichen: Die Freiburger "Walküre" mit drei neuen Sängern und Generalmusikdirektor Fabrice Bollon am Pult

  1. Brillant: Christian Voigt Foto: korbel

Kein Stück für das männliche Selbstbewusstsein. Die Herren der Schöpfung – sie verlieren und scheitern unentwegt in Richard Wagners "Walküre". Ob als tragische Helden wie Gott Wotan und sein Sohn Siegmund oder als Ausführungsgehilfen wie der "Jagdaufseher" Hunding. Wie schön, wenn man dieses Scheiterns nur auf den Metaebenen der Handlung gewahr wird, nicht aber in vokaler Hinsicht. Wie am Theater Freiburg. Dort geht die Produktion der "Walküre" vom vergangenen Sommer in eine Wiederaufnahmerunde. Eine höchst interessante, weil das gesamte männliche Personal ein Neues ist. Einschließlich des Dirigenten.

Und das alles zusammen schmeichelt wiederum dem Selbstbewusstsein der Spezies Mann, zeigt sich doch dieser Freiburger "Ring" musikalisch erneut überaus konkurrenzfähig, in einigen Fällen sogar richtiggehend brillant. Ein solcher heißt Siegmund alias Christian Voigt. Der Berliner, seit Dezember Ensemblemitglied in Freiburg, weckt mit seinem Siegmund-Debüt die Hoffnung auf eine Karriere als heranreifender Heldentenor. Vorbildlich in der Diktion, noch immer mit schlankem, lyrischen Timbre, zumal in der Mittellage, verfügt seine jugendliche Stimme gerade in den expressiven Passagen über wagnerische Strahlkraft. Zuweilen schadet sein ungestümer Krafteinsatz bei großen Intervallsprüngen nach oben (Beispiel: "... denn wonnig weidet mein Blick") dem musikalischen Fluss, dennoch: Dass sich hier ein Siegmund für größere Wagner-Schlachten rüstet, ist spürbar.

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Peteris Eglitis hat seine Stärken vor allem in Darstellung und Gestaltung. Der Freiburger Wotan des US-amerikanischen Bassbaritons ist ein packender Erzähler, einer, der die Botschaften hinter dem Text plastisch macht und sich nicht vor der Devise Ausdruck vor Schönheit scheut. Im mezzoforte und piano indes wirkt seine Stimme, zumal in der Passage – dem Übergang zur hohen Lage – gepresst und verkrampft; und nicht immer gelingt es Eglitis, sich im forte davon restlos frei zu singen. Auf seinen Wanderer im Freiburger "Siegfried" sind wir gespannt – die Legato-Passagen der Partie dürften ihm gerade dazu Gelegenheit geben. Einen mächtigen, rabenschwarzen Hunding gibt Gary Jankowski als dritter Novize in dieser Inszenierung: zweifellos eine Aufwertung für die kleinere, aber eben gar nicht unbedeutende Figur.

Die ausgeglichene, für ein Haus dieser Größenordnung keineswegs selbstverständliche vokale Besetzung, aus der hier ausdrücklich noch einmal die in dieser Produktion bereits "bewährten" Damen Sabine Hogrefe (Brünnhilde), Sigrun Schell (Sieglinde) und Anja Jung (Fricka) genannt seien, findet beim gut aufgelegten, in weiten Passagen meisterlich disponierten Philharmonischen Orchester ihre Entsprechung. Fabrice Bollon lässt seinen Einstieg in den "Ring" sehr sängerfreundlich, eher episch-lyrisch denn dramatisch angehen; darüber kann auch die überaus forsch musizierte Sturmmusik gleich zu Beginn nicht hinwegtäuschen, zumal der Generalmusikdirektor die ganz großen dynamischen Gegensätze meidet und auch der Syntax Wagners keine allzu großen interpretatorischen Freiheiten angedeihen lässt. Vielleicht klingt das mitunter ein wenig zu schulbuchmäßig, etwa bei Siegmunds Frage nach dem Vater kommentierendem Walhall-Motiv im ersten Aufzug. Doch handwerklich ist das alles überaus solide, zumal für eine Produktion, die man eben mal für (leider nur) drei Aufführungen aus dem Boden stampft. Auf Bollons ersten eigenen Freiburger Wagner, "Siegfried" im Sommer, darf man sich jedenfalls schon jetzt freuen.
– Weitere Aufführungen am 18. Januar und 15. Februar. Tel. 01805/556656

Autor: Alexander Dick