Selbstbewusst und locker

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 03. Juni 2017

Rock & Pop

Die britische Sängerin Mel C gab ein Konzert vor 100 geladenen Gästen im Emmendinger Restaurant "Rex3".

Auf den großen Bühnen dieser Welt war sie zu Hause, begeisterte mit ihren Kolleginnen von den Spice Girls tausende von Fans. Am Donnerstagabend hat Melanie Jayne Chrisholm, bekannt als Melanie C., im Emmendinger Restaurant "Rex 3" gerade einmal zwei auf zwei Meter für sich. Nicht gerade üppig für die 43-Jährige, die als "Sporty Spice" im Quintett für die Flickflacks und andere sportlich Showeinlagen zuständig war. Gut zwei Jahrzehnte später kann Mel C auf derartige Showelemente verzichten. Fest auf eigenen Beinen steht diejenige, die nach der Trennung der Band 2001 die erfolgreichste Solokarriere der fünf Sängerinnen startete.

100 Karten hat Radio Regenbogen unter den Hörern für das Konzert verlost. In den historischen Dreikönigssaal, der mit dunkler Wandvertäfelung und Dielenboden den spröden Charme längst vergangener Zeiten versprüht, würden deutlich mehr Konzertbesucher passen. Doch die Gastgeber nehmen das Konzept "Privatkonzert" ernst. Hier soll nicht gedrängelt werden, weder beim Einlass noch im Saal, sollen alle noch gemütlich Platz finden und bei Bedarf ohne viele Umstände auch zwischendurch mal an die Theke gelangen. Dort gibt es Pizza und – bei der sommerlich schweißtreibenden Atmosphäre im Saal ein Segen – eine kleine Auswahl an Getränken. Für die 100 Glücklichen "all inclusive".

Ziemlich gelassen ist die Stimmung unter den Gästen. So richtige, eingefleischte Spice-Girl-Fans scheint es heute nicht mehr in großer Zahl zu geben. Einmal abgesehen von den auch nicht mehr jugendlichen Frauen, die selbst eine gut dreistündige Anfahrt aus Schwäbisch-Gmünd auf sich nehmen, um Melanie C ganz nah zu sein. Andere kommen aus Mannheim, Karlsruhe, schneller waren die aus Bad Krozingen und Simonswald Angereisten da. Der Jüngste ist sieben, mit Mama, Papa und der älteren Schwester ist der Konzertbesuch ein Familienevent, die Ältesten haben die 50 deutlich überschritten.

Das alles spielt keine Rolle mehr, als Mel C durch die ersten Reihen auf das kleine Podest geht. Im knielangen Sommerkleid und Stiefeletten mit hohen Pfennigabsätzen, wirkt sie keineswegs overdressed, auch beim Bühnenoutfit sind die Zeiten der großen Show vorbei. Die Sängerin hat das auch nicht mehr nötig, wie sie erst jüngst in einem Interview deutlich gemacht hat: Als Spice Girl war sie als Teil einer Gruppe mutig, heute ist sie es für sich allein. Dieses Selbstbewusstsein lässt sie ihr Publikum deutlich spüren; es spiegelt sich in ihrer Stimme, ihrem Auftreten und nicht zuletzt in ihrem Programm wieder.

Unter den neun Titel umfassenden Set findet sich mit "Say you’ll be there" nur ein einziger Song der Spice Girls wieder. Sie hat genug Eigenes zu bieten, musikalisch und vor allem mit gereiften Texten. Auch bei den neuen Titeln sind manche der Gäste dieser Privatparty melodie- und textsicher, und so entwickelt sich immer wieder ein musikalischer Dialog zwischen der ausdrucksstarken Stimme der Sängerin und dem Chor des Publikums. Ein Dialog, der sich zum Finale nach gut einer Stunde zu einem lockeren Frage-Antwort-Spiel erweitert.

Melanie C ist nicht nur zum Singen gekommen, sie stellt sich auch den Fragen des Publikums und wirkt dabei nie ungeduldig. Auch die Bitte um ein gemeinsames Foto bringt sie nicht aus dem Gleichgewicht. Mit dieser Erinnerung im Handy werden selbst drei Stunden Rückfahrt zur Nebensache.