Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Juli 2010 12:18 Uhr

Schlossplatz Open Air

Wie war's bei... a-ha in Emmendingen?

Ein zweistündiges Greatest-Hits-Konzert – nicht mehr und nicht weniger. Beim Emmendinger Schlossplatz Open Air gaben a-ha auf ihrer Abschiedstournee den Fans, was die verlangten. Magisch zwar, aber ein Tick zu routiniert.

  1. Versetze Mädels in Verzückung: Morten Harket. Foto: I Em Music Festival Emmendingen Tag 1 a-ha.

Erster Eindruck:
Opulentes Songwriting, glasklarer Sound, jede Menge Pathos: Morten Harket, Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy und Keyboarder Magne Furuholmen wissen, worauf es auf der Bühne ankommt. Die drei Norweger lieferten ein richtig gutes Konzert ab – wobei man mit solchen Hits sowieso nichts falsch machen kann.

Set-List:
Take On Me, The Sun Always Shines On TV, Hunting High And Low, The Living Daylights: Die Klassiker aus den 80ern sind Pflicht bei a-ha. Dazu kommen die Hits aus den letzten zehn Jahren: Summer Moved On, Forever Not Yours, Foot Of The Mountain. Und die Zeit dazwischen? War da was? Nun ja, ein bisschen. "Wir haben die 90er ganz einfach übersprungen", hat Sänger Harket mal gesagt.

Die Musik:
Klingt ein bisschen wie Coldplay. Besser gesagt: Coldplay klingt ein bisschen wie a-ha. "Die erste Band, die ich liebte", soll deren Sänger Chris Martin mal gesagt. Grunge-Fans und Punkrocker, die Keyboards am liebsten von der Bühne verbannenden würden, können mit beiden Bands jedenfalls nichts anfangen. Hier wird nicht geschrammelt, sondern gespielt. Sänger Morten Harket kommt mit seiner Stimme über mehrere Oktaven und demonstriert das auch ausgiebig: Geschmackssache, aber auf jeden Fall eindrucksvoll.

Werbung


Augenschmaus:
Für Hetero-Männer: Die Technik. Genauer: die 98 Quadratmeter große Videoleinwand hinter der Band. Nahaufnahmen der Musiker, Porträts von Fans in den ersten Reihen, alte Plattencover – drei Kameramänner und ein Live-Regisseur haben jede Menge zu tun. Dazwischen flimmern bunte Kaskaden von Linien und Kreiseln, von Wellen und Tropfen über die Leinwand – das ist ganz schick, erinnert aber auch etwas zu sehr an alte Windows-Bildschirmschoner.

Für Frauen und alle anderen: Sänger Morten Harket. Blaue Augen, blaues Hemd. "Das Sakko zog er zwar nach dem zweiten Lied aus, aber irgendwann hatte er es sich wieder geholt", schreibt ein weiblicher Fan in einem Internet-Forum. Dem ist an dieser Stelle nichts hinzuzufügen.

Was in Erinnerung bleibt:
Ein Konzert geht zu Ende. Applaus. Warten auf die letzte Zugabe. Dann drückt Keyboarder Furuholmen auf ein paar Tasten und die ersten Takte von Take On Me peitschen über den Schlossplatz. Magisch. Auch dann, wenn man drei Jahre alt war, als das Video zum Song mit seiner Mischung aus Comic- und Realfilm mal schnell das Genre revolutionierte.

Bühnengebaren:
Ein Wort: Routiniert. Wer so lange erfolgreich ist, weiß einfach, wie er mit kleinen Gesten ein Publikum in den Griff kriegen kann. Mal die Arme ausbreiten, mal mit beiden Händen den Mikrofonständer greifen, mal mit geschlossenen Händen die Bühnendecke ansingen – das lernen Rockstars schon in der musikalischen Früherziehung.

Bestes Zitat:
"Ist das immer so, dass die Emmendinger sich beim Einlass so brav in Schlangen stellen?" (Erfahrener Konzertbesucher aus Freiburg)

(Mehr oder weniger) unnützes Wissen:
Musikstudenten, die sich in Sachen Gehörbildung Intervalle merken müssen, arbeiten gerne mit Take On Me – beim Liedanfang handelt es sich um eine Septime. Sagt jedenfalls Wikipedia.

Lukrativster Fanartikel:
Ein handgedrucktes Poster zur "Ending On A High Note"-Abschiedstournee. Limitiert auf 350 Exemplare, Verkaufspreis 20 Euro - das sind 7000 Euro für ein bisschen Papier. Und es gibt jede Menge Holz in Skandinavien.

Fiesester Fan-Frustfaktor:
Die drei Norweger waren nach Konzertende schneller aus Emmendingen verschwunden, als man a-ha sagen kann. Mit Polizeieskorte, sagt die Gerüchteküche.

Heimlicher Star des Abends:
Das Wetter. Fast den ganzen Freitag hatte es geschüttet wie aus Kübeln. Eine Stunde vor Konzertbeginn klarte der Himmel dann auf. Pech hatten nur die richtig großen Fans. Denn die lauerten schon Stunden vor Öffnung des Schlossplatzes auf den Einlass.

Bewertung:
Note: 2+. Technisch und musikalisch fast perfekt, vielleicht einen Tick zu routiniert. Das darf aber auch sein, immerhin blickt a-ha auf ein Vierteljahrhundert Bühnenerfahrung zurück. Jetzt ist Schluss: Ende des Jahres löst sich die Band auf. Gut, dass man sie nochmal gesehen hat.

Preis/Leistung:
59,50 Euro im Vorverkauf für zwei Stunden Musik. Keine Vorband.

Mehr zum Thema:

Autor: Patrik Müller