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04. September 2010 00:20 Uhr
Italien
128,5 Millionen im Jackpot
Nach dem Urlaub geht das Leben in Italien langsam wieder los, auch weil der Traum vom großen Geld die Menschen elektrisiert. Im Jackpot des Superenalotto liegen 128,5 Millionen Euro.
Weltweit blinkt derzeit keine größere Gewinnsumme; aber sie einzustreichen, ist schwierig. Bei 90 Zahlen einen Sechser zu tippen, das schafft man nur mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 622,6 Millionen. Dagegen ist das deutsche 6 aus 49 mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 15,5 Millionen (für den Sechser) schon beinahe eine sichere Bank.
In Italien werden die Glückszahlen dreimal pro Woche gezogen, und obwohl viele Annahmestellen in den Ferien geschlossen hatten, sind die Einsätze in fiebriger Weise angestiegen. Erinnerungen werden wach an Italiens größten Lottogewinn, an jene 147,8 Millionen Euro, die vor zwölf Monaten ein Gast der Biffi-Bar im toskanischen Bagnone abgeräumt hatte. Der Glückliche ist bis heute unbekannt, und die Bewohner des abgelegenen Bergdorfes sind ziemlich sauer: "Er hätte ja jeder Familie hier wenigstens 5000 Euro abtreten können", sagt ein Einheimischer.
Seiner gigantischen Gewinnsummen wegen – wird der Jackpot geknackt, geht’s bei 25 Millionen Euro neu los – ist Superenalotto das spektakulärste Glücksspiel im spielwütigen Italien. Die Einsätze haben sich zwischen 2004 und 2009 von 1,8 auf 3,3 Milliarden Euro fast verdoppelt. Das freut den Finanzminister, der automatisch die Hälfte davon einkassiert; Verbraucherschützer warnen deshalb, das Spiel mit seinen "illusorischen Gewinnen" sei bloß Abzockerei.
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Trotzdem weist Superenalotto eher schwache Zuwachsraten auf. Die 40 Milliarden Euro, um die Italiens Glücksspielbranche in sechs Jahren gewachsen ist – eine Steigerung um 266 Prozent – fließen nämlich deutlich stärker in Sparten mit niedrigerem Staatsanteil, in Rubbellose und Spielautomaten zum Beispiel, vor allem aber ins Online-Poker. Das gibt es erst seit 2008, aber schon 2009 lag der Jahresumsatz bei 2,3 Milliarden Euro. Der Finanzminister hat sich davon nur 70 Millionen Euro geholt, ganze drei Prozent. Er kann also auch richtig nett sein, wenn es um das Glück seiner Bürger geht.
Autor: Paul Kreiner
