Bilder einer apokalyptischen Landschaft

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Fr, 12. Oktober 2018

Panorama

Hurrikan Michael fegt über Florida und hinterlässt mindestens zwei Tote.

WASHINGTON. Eine ausgetretene Treppe führt zu einem Haus, das es nicht mehr gibt. Autos und Boote, Kühlschränke und Waschmaschinen liegen in der Gegend verstreut, als hätte ein Riese mit ihnen gespielt. Überall herabgerissene Stromleitungen, überall umgestürzte Bäume. Es sind Bilder einer apokalyptischen Landschaft, die sich einem Fotoreporter der Zeitung Tampa Bay News bieten, als er es am Donnerstag nach Mexico Beach geschafft hatte. Mindestens achtzig Prozent aller Gebäude, schätzt er, sind entweder stark beschädigt oder komplett zerstört.

Um Touristen anzulocken, wirbt das Fischerdorf südwestlich von Tallahassee mit paradiesischer Ruhe. "Genießen Sie die Schönheit, an der wir uns täglich erfreuen!", steht auf einem Schild am Ortseingang. Auf den Bildern des Fotografen ist nun auch das Schild verbeult, halb zerquetscht vom Stamm einer Kiefer. Mit gewaltiger Zerstörungskraft ist der Hurrikan Michael über Florida hinweggezogen, über Landstriche im vergleichsweise dünn besiedelten, vergleichsweise armen Nordwesten des "Sunshine State" In der Nähe der Stadt Tallahassee kam ein Mann ums Leben, nachdem ein entwurzelter Baum den Bungalow, in dem er wohnte, unter sich begraben hatte. In einem Trailerpark, einer Wohnwagen-Siedlung, starb ein Kind, als die provisorische Behausung seiner Familie zertrümmert wurde. Zwei Todesopfer – es kann nur eine vorläufige Bilanz sein.

Am frühen Mittwochnachmittag hatte Michael das Festland erreicht, nachdem er in den zwei Tagen zuvor rasant an Kraft gewonnen hatte. Auf der Höhe von Mexico Beach wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde gemessen. "Michael hat uns förmlich überrollt", sagt Rick Scott, der Gouverneur Floridas. Der Republikaner spricht von einem Überraschungseffekt, der die Evakuierung, wie sie normalerweise mit einem Hurrikan einhergeht, enorm erschwert habe: Die Vorwarnzeit sei extrem kurz gewesen. Noch am Montag war lediglich von einem Tropentief die Rede. Später wurde Michael heraufgestuft zu einer Kategorie 2. Tatsächlich prallte er dann als Sturm mit Kategorie 4, der zweithöchsten, auf die Küste.