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03. November 2009
"Den Kopf unterm Arm"
BZ-Interview mit dem Freiburger Urologen Christian Leiber zum Weltmännertag für Gesundheit
FREIBURG. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben": Heute richtet sich diese Einsicht vor allem an die Herren der Schöpfung. Der Weltmännertag soll ihr Gesundheitsbewusstsein schärfen. Mit Oberarzt Christian Leiber, Facharzt für Urologie-Andrologie (Männerheilkunde) an der Freiburger Universitätsklinik, sprach Jens Schmitz.
BZ: Herr Leiber, wozu brauchen Männer einen eigenen Gesundheitstag?Leiber: Ihre statistische Lebenserwartung unterscheidet sich von der der Frauen immer noch drastisch. Wir sprechen von sechs Jahren! Danach sitzen die Frauen dann allein am Tisch – was ist das für eine Perspektive? Die ist doch für Männer wie für Frauen dramatisch.
BZ: Aber war das nicht immer schon so?
Leiber: Manche sagen, es liege an unserem Y-Chromosom, aber das ist sicher nicht entscheidend. Männer haben einfach kein Gesundheitsbewusstsein. Sie gehen rabiat mit ihrem Körper um. Gehen Sie beispielsweise mal zu einem Urologen: 80 Prozent der Männer im Wartezimmer haben da Schmerzen. Beim Gynäkologen kommen 50 Prozent der Frauen einfach zur Vorsorge. Die haben einen anderen Zugang gelernt. Männer zwischen 20 und 50 gehen erst zum Arzt, wenn sie den Kopf unterm Arm tragen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
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BZ: Das andere Klischee besagt freilich, dass Männer jeden Schnupfen wahrnehmen, um zu Hause laut klagend das Sofa zu blockieren.
Leiber: Gegenüber Partner und Familie sind manche zu Hause wehleidig, aber die würden trotzdem nicht zum Arzt gehen. Die häufigsten Todesursachen sind Herzinfarkt und Schlaganfall, und gerade die sind vermeidbar. 50 Prozent der Männer im Land sind übergewichtig, das ist ja verheerend. Frauen reden zwar ständig über ihr Gewicht, aber die Männer haben das Problem. In Frauenzeitschriften haben Gesundheitsthemen auch einen ganz anderen Stellenwert. Männer lesen gar nichts darüber oder sie treiben exzessiv Sport und ruinieren sich ihre Gelenke. Als Mann eine Depression zu haben ist tabu, Männer sind erfolgreich und stark.
BZ: Hat der Aktionstag bislang geholfen, Bewusstsein zu schaffen?
Leiber: In anderen Ländern läuft da viel mehr. Unter Ulla Schmidt wurde seit Jahren versucht, analog zum Frauengesundheitsbericht einen Männergesundheitsbericht anzufordern, aber das wurde in Berlin kategorisch blockiert. Man muss den Männern eben auch Angebote machen, ein Thema auch mal technisch aufziehen: Dein Auto bringst du ja auch zweimal im Jahr in die Werkstatt, wie wäre es mal mit einem Check-up für deinen Körper? Verbessert hat sich das Rauchverhalten der Männer – und entsprechend ihre Rate beim Lungenkrebs. Da haben eher die Frauen noch Nachholbedarf.
BZ: Ist Lebensqualität nicht auch ein Gesundheitsfaktor? Rotwein soll ja gegen Krebs schützen.
Leiber: Natürlich sollen Sie nicht jeden Abend mit Sauermiene in der Biokost stochern. Und natürlich dürfen Sie auch mal einen Abend um die Häuser ziehen. Aber bei der wenigen Bewegung, die wir haben, können wir nicht mehr jeden Tag Schwein mit Schwarte essen. Gemüse und Fisch sind auch mal lecker. Zum Rotwein gibt es viele Theorien. Ich glaube: Dass man sich hinsetzt und in einer gewissen Atmosphäre entspannt genießt, dazu gehört eine gewisse Lebenseinstellung. Und die ist als Ganzes sicher gesundheitsförderlich.
Autor: jsz
