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09. August 2011
Schweden
Keine Babys für schwule Paare in Schweden
Der Champagner floss in Stockholms Reichstag, als Schweden als erstes Land der Welt homosexuellen Paaren das volle Adoptionsrecht zuerkannte. Das war 2002. Neun Jahre später ist die Bilanz ernüchternd.
KOPENHAGEN.Die Zahl der internationalen Adoptionen durch schwedische Schwule: null. Die Zahl der nationalen: null.
Robert und Fredrik Skoglund waren die Ersten, die es versuchten. Als das neue Gesetz Anfang 2003 in Kraft trat, stellten sie sofort den Antrag auf Familienvergrößerung, ein Jahr später waren alle Formalitäten erfüllt. Das schwule Paar aus Stockholm hatte alle Prüfungen bestanden. Die Probleme kamen hinterher. Sie versuchten es bei mehreren Adoptionsorganisationen, doch das Ergebnis war stets das gleiche: Keines der Länder, die Adoptivkinder nach Schweden vermitteln, wollte etwas mit homosexuellen Paaren zu tun haben.Und als sie ihre Hoffnung auf einheimische Kinder setzten, wurden sie auch enttäuscht. Als sich die beiden als Pflegeeltern bewarben, bekamen sie nicht einmal eine Antwort. "Die Sozialbehörden sind von altmodischen Wertvorstellungen geprägt", klagte Robert Skoglund in der Tageszeitung Svenska Dagbladet. "Problemkinder will man nicht in Heimen platzieren, in denen es schon Probleme gibt. Und ein Paar mit zwei Männern gilt offensichtlich als Problem."
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Das sind Erfahrungen, die nicht nur die Skoglunds machen. "Es gibt kein Land, das gleichgeschlechtliche Paare für internationale Adoption akzeptiert, und ehe sich das ändert, wird noch viel Zeit vergehen", sagt Inga Näslund von Schwedens größter Adoptionsvermittlung.
Doch auch im eigenen Land sind die Chancen nicht besser. "Es gibt so wenige Kinder, und im Auswahlprozess der Eltern werden Homosexuelle frühzeitig aussortiert", sagt der konservative Parlamentarier Tomas Tobe. 2010 wurden in Schweden nur 66 Kinder zur Adoption freigegeben.
"Homosexuelle Paare sollten genauso in Frage kommen wie alle anderen, aber nationale Adoptionen sind so selten und es gibt so viele, die sich um die Kinder reißen", sagt Marietta Kärki von der Stadtverwaltung in Enskede. Die Sachbearbeiter hören oft auf die Wünsche der Mütter, welche Familie sie sich für ihr Baby wünschen. Auch da stehen Schwule nicht hoch im Kurs. Es gibt Homoadoptionen in Schweden: Wenn gleichgeschlechtliche Partner das Kind adoptieren, das ihr Lebensgefährte aus einer früheren Beziehung hat, gibt es selten Schwierigkeiten. Diese Familienadoption ist auch in Deutschland erlaubt.
Fremdadoption ist international weiterhin die Ausnahme. Inga Näslund meint, dass Schweden ein Beispiel geben müsse, wie damals, als das Adoptionsgesetz verabschiedet wurde. Schwedische Politiker fordern bessere Ausbildung für die kommunalen Sachbearbeiter. "Dort bedarf es besserer Einsicht", sagt der Sozialdemokrat Anders Selin. "Es ist schon seltsam, dass man noch nie einen Fall hatte, in dem das homosexuelle Paar das am besten geeignete war."
Während sich lesbische Paare ihren Kinderwunsch durch eine künstliche Befruchtung erfüllen können, bleiben Schwule ausgegrenzt. Robert und Fredrik Skoglund sind allerdings doch noch Väter geworden. Als sie einsahen, dass sie auf legalem Weg nie zu einem Kind kommen würden, haben sie in Indien eine Leihmutter gefunden. Am 3. September letzten Jahres gebar diese ihnen das Mädchen Alwina, das nun mit den Papas im schwedischen Sommer die ersten Gehversuche unternimmt. "Das Glück ist unbeschreiblich", sagt Robert, "wir waren bei der Geburt dabei und ganz schrecklich nervös."
"Surrogatmutterschaft" ist in Schweden verboten, doch das soll sich ändern. Robert Skoglund ist sozialdemokratischer Lokalpolitiker und in dieser Frage stark engagiert. "Viele Paare fahren zu diesem Zweck ins Ausland, auch heterosexuelle. Wenn die Kinder dann heimkommen, fallen sie in ein soziales und juristisches Vakuum", sagt der Vater, der Alwina vorerst als Ziehtochter verhätschelt, bis die Adoption durch ist.
Autor: Hannes Gamillscheg
