Tödlicher Unfall

Polizist am Steuer soll Unfall betrunken verursacht haben

dpa

Von dpa

So, 10. Februar 2019 um 18:43 Uhr

Panorama

Eine junge Frau stirbt,weil ein Streifenwagen ihren Pkw rammt. Ein Jahr später wird bekannt, dass der Polizist am Steuer offenbar alkoholisiert war. Die Familie des Opfers wittert einen Justizskandal.

BERLIN (dpa). Der Verdacht wiegt schwer: Ist eine junge Frau getötet worden, weil ein Polizist mit Alkohol im Blut in ihr Auto raste? Und haben die Behörden in Berlin nach dem Unfall versucht, bei den Ermittlungen das Thema Trunkenheit zu vertuschen? Der Anwalt der Eltern des 21 Jahre alten Todesopfers vermutet genau das – er spricht von einem "furchtbaren Justizskandal". Auch von politischer Seite werden Rufe nach Aufklärung lauter. Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht bisher jedoch keine Anhaltspunkte für einen Vertuschungsversuch.

Rückblick: Am 29. Januar 2018 parkt eine junge Frau ihr Auto in der Nähe des Alexanderplatzes ein. Ein Polizeiwagen, mit Blaulicht im Einsatz, rammt ihren Wagen mit hohem Tempo. Die 21-Jährige stirbt. Für ihre Eltern fühlt sich dieser Unfall wie eine doppelte Tragödie an. Sie haben ihre Tochter verloren – und den Verdacht, dass ein Staatsdiener als möglicher Verursacher des Unfalls schonend davonkommen sollte. Lange liefen die Ermittlungen allein wegen fahrlässiger Tötung. Dem Verdacht Alkohol am Steuer geht die Staatsanwaltschaft erst seit kurzem nach: Es gab anonyme Hinweise.

Einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge lässt die Polizei dieser Fall alles andere als kalt. Alle Personen, die am Unfalltag Kontakt zu dem Fahrer des Funkstreifenwagens hatten, sollen erneut befragt werden, heißt es. Offiziell gibt es dafür keine Bestätigung. Die Pressestelle der Polizei schweigt am Sonntag – und verweist auf die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft. Fraglich ist zum Beispiel, warum der Polizist direkt nach dem Unfall keine Blutprobe abgeben musste. Eine Blutprobe nahm damals erst die Berliner Charité ab, als der Polizist nach dem Crash dort eingeliefert wurde.

Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, wundert sich, dass sich mehr als ein Jahr lang kein Ermittler für die Patientenakte interessierte. Es habe die Mediziner damals auch verblüfft, dass bei dem Polizisten nicht schon am Unfallort der Blutalkoholwert gemessen worden sei, sagte er dem Berliner Tagesspiegel. Ein solcher Test sei nicht zwingend, erwidert eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Patientenakte aber beschlagnahmt. Das Ergebnis des damaligen Blutalkoholtests an der Charité lautet: rund ein Promille. Ab einer Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille liegt laut ADAC absolute Fahruntüchtigkeit vor. Ein lupenreiner Beweis könnte aber auch der Charité-Test nicht sein. Denn theoretisch könnte der Polizist nach dem Crash und vor der Untersuchung in der Klinik Alkohol getrunken haben.

Die Ermittlungen laufen nun unter dem Verdacht fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs durch Trunkenheit. Der Beamte ist nach Angaben der Polizei zurzeit nicht im Dienst. Ob er suspendiert wurde und wann – all das blieb trotz Nachfragen offen.

Der Fall bringt jetzt auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik unter Druck. Berliner Politiker wollen mehr wissen. Wie lange die "ergänzenden Ermittlungen" dauern werden, ist nach Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft noch offen: "Wir sind bestrebt, den Fall so zügig wie möglich abzuschließen."