Raumfahrt

Wer wird die erste deutsche Frau im All?

dpa

Von dpa

Do, 20. April 2017 um 00:00 Uhr

Panorama

Deutsche Raumfahrer waren bislang stets männlich. Warum nicht eine Frau losschicken, fragte sich eine Initiative. Hunderte Frauen bewarben sich. Jetzt sind noch zwei im Rennen.

BERLIN (dpa/AFP). 400 Ingenieurinnen, Pilotinnen und Wissenschaftlerinnen haben am Wettbewerb "Die Astronautin" teilgenommen. Zwei Frauen haben sich durchgesetzt – eine von ihnen soll als erste deutsche Astronautin zur Internationalen Raumstation ISS fliegen.

Bei der Suche nach der ersten deutschen Astronautin sind nun noch zwei Frauen aus Köln und Bonn im Rennen. Die Eurofighter-Pilotin Nicola Baumann und die Meteorologin Insa Thiele-Eich – eine gebürtige Heidelbergerin, die in Bonn arbeitet – wurden aus den letzten sechs Kandidatinnen ausgewählt, wie Jury-Mitglied und Ex-Astronaut Ulrich Walter am Mittwoch in Berlin sagte. "Wir Deutsche dürfen stolz auf diese beiden Personen sein."

Die beiden Frauen sollen nun eine Ausbildung zur Astronautin beginnen. Nach Plan der privaten Initiative "Die Astronautin" wird eine von ihnen vor 2020 als erste Deutsche zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen – vorausgesetzt, das nötige Geld dafür kommt zusammen. Die Initiative will bis zum 31. April per Crowdfunding mindestens 50 000 Euro sammeln, um den ersten Trainingsabschnitt zu finanzieren. Bis Mittwoch waren rund 27 000 Euro zusammengekommen. Für die gesamte Mission mit angenommenen Kosten von rund 50 Millionen Euro sollen Sponsoren gefunden werden.

Aus Deutschland waren bislang nur Männer im All, elf an der Zahl. Der Erste war 1978 der DDR-Bürger Sigmund Jähn. Bei dem neuen Projekt geht es auch darum, mehr Mädchen und junge Frauen für Naturwissenschaften zu begeistern. Zunächst hatten sich mehr als 400 Frauen beworben, 80 von ihnen durchliefen medizinisch-psychologische Tests am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bedankte sich während der Finalistinnenvorstellung für das Projekt. "Deutschland braucht mehr technikbegeisterte Mädchen."

Insa Thiele-Eich: Die Meteorologin, Jahrgang 1983, ist Grundlagenforscherin für Wetter- und Klimavorhersagen. Ihre Doktorarbeit schrieb die gebürtige Heidelbergerin über die Auswirkungen des Klimawandels auf Bangladesch. Sie arbeitet für das Meteorologische Institut der Universität Bonn. Sie ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Königswinter.
Nicola Baumann: Die Münchnerin, Jahrgang 1985, ist Eurofighter-Pilotin bei der Bundeswehr. Seit ihrer Ausbildung zur Kampfpilotin in den USA weiß sie, wie es ist, mit mehr als 2000 Stundenkilometern unterwegs zu sein. Sie träumt von einer Raumfahrtkarriere. Dafür hat sie ein Fernstudium in Maschinenbau draufgesattelt. Sie ist verheiratet und lebt in Köln.