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02. Oktober 2009

"Würde ich ein gespendetes Organ erwarten?"

BZ-Interview: Oberkirchenrat Nüchtern zum Organspende-Tag

  1. Dr. Michael NüchternReferatsleiter für Grundsatzfragen beim Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche Baden Foto: EKIBA

FREIBURG. Am Sonntag finden in Berlin erstmals die zentralen Veranstaltungen zum Welttag und dem Europäischen Tag der Organspende statt. Über Organspende aus christlicher Sicht sprach Jens Schmitz mit dem Karlsruher Theologen Michael Nüchtern; er leitet das Referat für Grundsatzfragen beim Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Baden.

BZ: Herr Nüchtern, die Zahl der Organspenden in Deutschland ist rückläufig. Ist Organspende nicht eine Christenpflicht?

Nüchtern: Ich würde sie nicht als Christenpflicht bezeichnen, aber als eine Tat der Nächstenliebe. Bei diesem Thema ist mir die Freiwilligkeit ganz, ganz wichtig: Würde ich erwarten, dass ich im Notfall ein gespendetes Organ bekomme? Das muss ich mich fragen, und dann gilt das Bibelwort "Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch".

BZ: Eine Niere spenden zum Beispiel kann man ja auch schon zu Lebzeiten. Macht das einen Unterschied?

Nüchtern: Die Zustimmung ist bei lebenden Personen natürlich umso wichtiger, aber dagegen spricht nichts. Wichtig ist, dass die Menschen in unserer Gesellschaft erleben können, dass mit Transplantationen verantwortlich umgegangen wird. Dann steigt auch die Bereitschaft zur Organspende.

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BZ: Haben Sie einen Spenderausweis?

Nüchtern: Nein. Weil ich, auch öffentlich, schon lange dazu stehe, dass ich für mich nicht erwarte, ein Spenderorgan zu bekommen.

Autor: jsz