Alternative zum Mais

Martina Hänsler

Von Martina Hänsler

So, 14. Oktober 2018

Südwest

Der Sonntag Badenova fördert Anbau der EnergiepflanzeSilphie.

Sie soll eine Alternative mit vielen Vorteilen zum am Oberrhein dominierenden Maisanbau sein: Die Silphie. Interessant ist die Pflanze vor allem deshalb, weil sie Energie für Biogasanlagen liefern kann.

Die Die Durchwachsene Silphie (Silphie perfoliatum), kurz "Silphie", stammt aus Nordamerika und gehört zur Familie der Korbblütler. Sie wird auch Becherblume genannt, hat kleine gelbe Blüten, einen bis zu drei Meter hohen Wuchs und tiefe Wurzeln. Der Mais blüht nicht und ist ein einjähriger Flachwurzler. Interessant ist die Pflanze aber vor allem deshalb, weil sie Energie für Biogasanlagen liefern kann.

Aus diesem Grund unterstützt der Freiburger Energiedienstleister Badenova Landwirte in der Region mit einem zinslosen Darlehen im Anbau der Durchwachsenen Silphie. "Im Sinne der Nachhaltigkeit sind wir um eine breite Vielfalt bei den Energiepflanzen bemüht", erläutert Badenova-Sprecherin Yvonne Schweickhardt die Förderung der Alternativkultur zu Mais. 15 Landwirte in der Region bauen derzeit für den Biogasanlagen-Betreiber Badenova auf 60 Hektar die Silphie an.

Die Biogasausbeute der Silphie ist mit Energiemais vergleichbar, lediglich die Methanerträge sind geringer. Die Durchwachsene Silphie produziert ab dem zweiten Jahr bei durchschnittlichen Wachstumsbedingungen 20 Tonnen Biomasse pro Hektar Anbaufläche – in etwa so viel wie Mais.

Als mehrjährige Staude wird die Silphie nur einmal ausgepflanzt oder gesät und kann danach als winterharte Staude bis zu 20 Jahre stehen bleiben. Mais hingegen muss jedes Jahr neu ausgesät, der Boden aufgebrochen, gedüngt und das Wachsen der Jungpflanzen mit Herbiziden unterstützt werden.

"Ein Vorteil", sagt Landwirt Bernhard Walz aus Heitersheim, der die Silphie dieses Jahr zum ersten Mal geerntet hat. "Die Silphie kommt ab dem zweiten Standjahr ohne Dünger, Pflanzenschutzmittel oder weitere Arbeiten aus." Walz hat die Staude auf drei Hektar Fläche angepflanzt.

Er hat dafür Äcker ausgesucht, die entweder aufgrund der Lage schlecht mit großem Arbeitsgerät zu bearbeiten sind oder sich in der Nähe zu Wohngebieten befinden. "So muss ich mir keine Gedanken machen wegen Verwehungen von giftigen Spritzmitteln in Wohnanlagen oder Gärten, denn Pflanzenschutzmittel benötige ich bei der Silphie langfristig keine, was sie auch für die Pflanzung in Wasserschutzgebieten attraktiv macht."

Je Hektar hat Walz um die 2 000 Euro für das Saatgut investiert und dafür ein zinsloses Darlehen der Badenova genutzt. Der Anbau der Becherblume sollte im weiteren Umfeld der Badenova-Biogasanlagen im Gewerbepark Eschbach und in Neuried stattfinden, um mit kurzen Transportwegen umweltfreundlich wirtschaften zu können.

Um den Verlust im ersten Jahr zu minimieren, wird in der Regel eine Mischsaat ausgebracht – Mais und Silphie werden abwechselnd ausgesät. Damit kann im Gegensatz zu einer reinen Silphie-Kultur auch im ersten Jahr eine Ernte eingefahren werden. Ab dem zweiten Jahr wird dann nur noch die Silphie geerntet.

Walz sagt, er spare ab dem zweiten Standjahr einiges an Arbeitsleistung, Zeit und weiteren Kostenfaktoren, die beim jährlichen Eggen, Säen, Düngen sowie Ausbringen von Pflanzenschutzmittel beim Maisanbau aufzubringen wären. "Mit Blick auf den trockenen und heißen Sommer bringt die Silphie Vorteile", resümiert Walz, "sie hat tiefe Wurzeln und gelangt so an feuchten tieferen Grund."

Keine künstliche Bewässerung

"Becherblume" wird die Pflanze deswegen genannt, weil sie in ihren Blattbechern Tau- und Regenwasser sammelt und so auch bei langen Trockenperioden gut zurechtkommt und im Vergleich zum Flachwurzler Mais nicht künstlich bewässert werden muss. Walz hat an seinen Feldern sogar Hochsitze aufgestellt, auf die jeder klettern darf, der sich die Insektenvielfalt ansehen möchte, die über den Feldern und an den Blüten Nahrung findet. "Von da oben kann man sehen, wie es surrt und brummt, besonders Bienen sind viele zu sehen", berichtet er. "Wildschweine bleiben der Becherblume eher fern, denn die lockenden Maiskolben bleiben aus."

Gottfried Stürmer-May vom BUND Baden-Württemberg sieht zumindest keine Nachteile im Anbau der Silphie. Ob der Anbau etwas mit Blick auf die Insekten und Vögel bringe, könne man erst langfristig beantworten. Der überwiegende Maisanbau am Oberrhein, sagt Patrick Elsner vom Bauernverband BLHV, sei nicht für die Biogas-Herstellung, sondern "Körnermais" für Tierfutter und für die Herstellung von Bioplastik, und die Silphie sei dafür keine Alternative.

Für die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft hingegen führt die Silphie in ihrem "Anbautelegramm" neben Energiepflanze auch die als Futterpflanze an. "Eine Verwendung als Silage, als Viehfutter für Schafe, Ziegen und Rinder sowie als Frischpflanze, als Kleintierfutter für Kaninchen oder Nutrias ist möglich."