Sicherheit

Badisches Landesmuseum nach zweitem Diebstahl in der Kritik

Anika Maldacker und dpa

Von Anika Maldacker & dpa

Mi, 28. Juni 2017 um 08:04 Uhr

Südwest

Zweimal binnen weniger Monate haben Unbekannte es geschafft, Kunstgegenstände aus dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe zu stehlen. Hat das Haus ein Sicherheitsproblem?

Ein Diebstahl vom Oktober 2016 ist erst jetzt bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft räumt ein Versäumnis in ihrer Informationspolitik ein. An den Sicherheitsvorkehrungen des Museums wird zudem Kritik geäußert, die Leitung weist die Vorwürfe aber zurück.

Erst im April ist ein 1,2 Millionen teures Diadem aus einer Vitrine im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gestohlen worden. Nun hat ein anonymer Hinweisgeber den Raub eines zweiten Kunstobjekts, einer Elfenbeinschnitzerei, öffentlich gemacht. Das Brisante: Der Diebstahl wurde bereits im Oktober 2016 entdeckt und den Ermittlern mitgeteilt, öffentlich wurde er erst jetzt. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wie auch das Museum bestätigten den Diebstahl. Die Staatsanwaltschaft räumt ein, dass die Nicht-Veröffentlichung ein Versäumnis war.

Ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Diadems und dem der Elfenbeinskulptur sei bisher aber nicht erkennbar, betonte ein Sprecher der Anklagebehörde. Das Diadem wurde am 21. April gestohlen; bei der entwendeten Elfenbeinschnitzerei fehlt ein eindeutiges Datum. Staatsanwalt Tobias Wagner schätzt, dass der Tatzeitpunkt zwischen Juli und Oktober 2016 liege – so lange fiel dem Museum nicht auf, dass etwas fehlte. Auch der Diebstahl des Diadems im April wurde erst nach rund einer Woche entdeckt. "Die Scheibe war nicht eingeschlagen und in der Vitrine lag eine Stellvertreterkarte", sagt Natalia März, Sprecherin des Museums. Solche Karten werden platziert, wenn ein Gegenstand an ein anderes Museum verliehen wird.

Kunstministerium, Finanzministerium und Landeskriminalamt (LKA) nahmen die Vorfälle zum Anlass, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die Kontroll- und Alarmsysteme aller elf Landesmuseen unter die Lupe nimmt. Im November erwarte man erste Ergebnisse, sagte eine Sprecherin des Kunstministeriums am Dienstag.

Aus dem Kreis der Museumsmitarbeiter hieß es, im Badischen Landesmuseum würden die Säle abends nicht oder zumindest nicht konsequent abgeschlossen und auch nicht alle Räume vom Sicherheitsdienst regelmäßig kontrolliert. Ein anonymer Mitarbeiter sprach zudem davon, dass in der sogenannten Sicherungszentrale, in der auch die Schlüssel und Bücher zum Umgang mit den Schlüsseln aufbewahrt würden, immer wieder kleinere Dinge abhanden kämen.

Die Vorwürfe wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen wies Museumsdirektor Eckart Köhne entschieden zurück. In beiden Fällen seien Profis am Werk gewesen, die die Tat ausführlich geplant hätten. "Die Sicherheitsanlagen waren intakt. Der Sicherheitsdienst kontrolliert alle Räume, die Räumlichkeiten werden verschlossen", sagte er. Trotzdem sind nach dem ersten Diebstahl zusätzliche Vorkehrungen getroffen wurden.

Um den Dieben auf die Spur zu kommen, wenden sich die Ermittler unter anderem an Auktionshäuser. Auffällige Objekte wie die Elfenbeinskulptur seien aber schwer zu verkaufen, so LKA-Sprecher Horst Haug. "Bei Schmuckstücken gibt es zudem die Gefahr, dass sie zerlegt und dann verkauft werden", sagte er zum Diadem. Zu dem Stück, das Großherzogin Hilda von Baden gehörte und Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde, seien bislang etwas mehr als ein Dutzend Hinweise eingegangen.

Die Barockschnitzerei des Bildhauers Leonhard Kern (1588-1662) aus Elfenbein ist laut Museumsangaben rund 500 000 Euro wert. Sie ist 1620 geschaffen worden und zeigt die Römerin Fulvia mit dem abgetrennten Kopf des Cicero. Die Ermittlungen seien mangels Anhaltspunkten vorläufig eingestellt worden, so die Staatsanwaltschaft.