Komplett neue Situation

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Von sda & BZ-Redaktion

Di, 13. Februar 2018

Baselland

Der Chemiekonzern Clariant, der am Mittwoch die Bilanz vorlegt, hat einen neuen Großaktionär.

PRATTELN (sda/BZ). Der Baselbieter Spezialchemiekonzern Clariant, der am Mittwoch Zahlen für 2017 vorlegt, verschiebt die angekündigte Aktualisierung der Strategie. "Clariant ist in einer komplett neuen Situation", erklärte ein Sprecher am Freitag. Konzernchef Hariolf Kottmann sieht auch die Eigenständigkeit nach dem Eintritt der saudischen Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) nicht gefährdet, betonte er gegenüber der Basler Zeitung am Samstag. Im Raum Basel beschäftigt Clariant im Infrapark Baselland in Muttenz und der Zentrale, dem Corporate Center in Pratteln, noch etwa 800 Mitarbeitende.

Das 1995 durch eine Auslagerung der Chemieaktivitäten von Sandoz entstandene Spezialchemieunternehmen hat eine vergleichsweise bewegte Geschichte hinter sich. Phasen des Wachstums, die nicht zuletzt Zukäufe getrieben haben – vom Spezialchemiegeschäft der früheren Hoechst 1997 über die Übernahme von Geschäften der Ciba-Spezialitätenchemie 2006 bis zum Kauf der Münchner Süd-Chemie 2011 – wechselten ab mit Restrukturierungen infolge des Strukturwandels der Branche oder auch von Fehlinvestitionen. Vergangenes Jahr geriet das Unternehmen erneut in die Schlagzeilen. Grund dafür waren die im Frühjahr angekündigten und im Oktober dann wieder abgesagten Fusionspläne mit dem US-amerikanischen Huntsman-Konzern. Das wiederum hatte viel mit dem US-amerikanischen Hedgefonds White Tale zu – auch wenn es am Ende eine Reihe weiterer Gründe gegeben habe, die Fusion abzusagen, wie Kottmann nun im Interview in der Basler Zeitung betonte. Trotz des Erfolges verkaufte White Tale seinen 25-Prozentanteile im Januar dann aber an das saudische Petrochemieunternehmen.

Dies habe die Ausgangslage erneut verändert, sagte der Clariant-Sprecher. Unter dem Druck des aktivistischen Investors White Tale hatte der Baselbieter Konzern den Anlegern noch im November versprochen, bis Anfang 2018 Maßnahmen zur Wertsteigerung der Gesellschaft wie Übernahmen, Veräußerungen, Kostensenkungen oder zusätzliche Ausschüttungen an die Aktionäre vorzustellen. "Der Clariant-Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden nun diese Situation mit Sabic besprechen." Manager des Konzerns hätten sich mit Vertretern von Sabic zwar bereits ausgetauscht, zu einem formellen strategischen Treffen sei es bisher aber nicht gekommen.

Der seit inzwischen seit fast zehn Jahren amtierende Konzernchef Hariolf Kottmann ließ offen, wann sich Clariant zur neuen Strategie äußern werde. Klar aber ist für den aus dem Schwäbischen stammenden Manager, dass der Spezialchemiekonzren auch in Zukunft eine Firma mit Sitz in der Schweiz, mit eigener Konzernleitung, eigenem Verwaltungsrat, einer Börsennotierung in Zürich und einem bedeutenden Anteil frei handelbarer Aktien sein werde. Der Anteil der frei handelbaren Aktien hänge aber auch davon ab, welche Projekte Sabic und Clariant zusammen verwirklichen, sagte Kottmann in dem Interview mit der Basler Zeitung vom Samstag weiter. Möglicherweise halte Sabic auch einmal mehr als 25 Prozent der Aktien, "aber wir werden ein solides Maß an Eigenständigkeit haben". Dass Sabic Clariant einst voll übernehmen könnte, wollte Kottmann nicht ausschließen, da er nicht Sabic sei. "Aber das Management von Sabic ist sehr glaubwürdig, und wir haben ein hohes Grundverständnis, dass es keine Übernahme und keine Integration geben wird." Der Kontakt zu Sabic bestehe im Übrigen schon seit Jahren.

2016 erzielte der Baselbieter Konzern einen Umsatz von rund 5,8 Milliarden Franken und einen Nettogewinn von 263 Millionen Franken und beschäftigte weltweit Ende Dezember noch 17442 Mitarbeiter. 2012 waren es im Vergleich noch mehr als 21 000 gewesen. Auch in der Region hatte Clariant vor zehn Jahren übrigens noch mehr als 2000 Mitarbeitende, doch mittlerweile wurden mehrere Produktionen geschlossen, darunter ein Werk in Hüningen. Weiter wurden traditionelle Bereiche wie die Textil- und Papierchemie sowie Emulsionen (Waschmittel) an den Investor SK Capital verkauft und von diesem in das 2013 gegründete und in Reinach ansässige Chemieunternehmen Archroma eingebracht.