Überblick

Mehr Deutsch und mehr Informatik im Klassenraum

dpa

Von dpa

Di, 04. September 2018 um 20:51 Uhr

Südwest

Mehr als 1,5 Millionen Schüler im Land stehen vor einem neuen Schuljahr. In diesem gibt es eine Reihe von Neuerungen.

Fremdsprachen ab Klasse 3
Die Schulanfänger sind die ersten seit Jahren, die nicht in der ersten Klasse in ein "Sprachbad" eintauchen. Das spielerische Lernen war für die ehemalige Kultusministerin Annette Schavan (CDU) der Grundgedanke bei der Einführung der ersten Fremdsprache ab Klasse 1 im Schuljahr 2003/04 – Französisch an der Rhein-Schiene, Englisch im Rest des Landes. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verschiebt den Start der Fremdsprache auf Klasse 3, um nach dem enttäuschenden Abschneiden von baden-württembergischen Schülern in Vergleichsstudien den Fächern Deutsch und Mathe mehr Zeit zu geben. Über alle vier ersten Klassen hinweg erhalten die Grundschüler mehr Mathe- und Deutschunterricht als im Schuljahr 2015/16. Hinzu kommen vier zusätzliche Stunden, vor allem für die individuelle Förderung in Deutsch und Mathematik.

Gymnasiale Oberstufe
an der Gemeinschaftsschule
Die ersten zwei Oberstufen an Gemeinschaftsschulen gehen am 10. September an den Start. Die Gebhardschule in Konstanz und die Gemeinschaftsschule West in Tübingen mit 38 beziehungsweise 50 Anmeldungen betreten damit Neuland. Bislang gehen die Gemeinschaftsschulen nur bis zur zehnten Klasse. Eigentlich müssen mindestens 60 Schüler für eine Oberstufe an der "Schule für alle" zusammenkommen. Das Land war aber von mehr Kandidaten ausgegangen. Besonders die Berufsschulen fühlen sich durch diese Oberstufe bedroht, denn auch sie bieten ein Abitur nach 13 Jahren an.

Rahmen für Rechtschreibung
Eine von Pädagogen konzipierte Handreichung soll Lehrer der Klassen 1 bis 10 dabei unterstützen, die Regeln für Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Zeichensetzung zu vermitteln. Das Ministerium reagiert damit auf den Bildungstrend 2016 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Demnach erreicht rund ein Fünftel der Schüler nicht einmal den Mindeststandard bei der Orthografie.

Förderung von Flüchtlingskindern
Junge Flüchtlinge sollen zum Schuljahr 2018/19 zusätzliche Sprachförderung in den Regelklassen erhalten. Für sie gibt es außerdem zielgruppenspezifische Angebote und etwa zusätzliche Stunden in den Vorbereitungsklassen. Grund für das Mehr an Förderung sind die ganz unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Flüchtlinge, die die Lehrkräfte vor große Herausforderungen stellen. Für das Gesamtpaket werden 565 Stellen verlängert, die 2016 geschaffen wurden und jetzt hätten wegfallen sollen. Dies schlägt mit rund 35 Millionen Euro zu Buche.

Mehr Informatikunterricht
Bislang besuchten nur Schüler der allgemeinbildenden Gymnasien ab Klasse 7 den Aufbaukurs Informatik. Im neuen Schuljahr wird das Pflichtfach auf alle weiterführenden Schulen ausgedehnt. Aus Sicht des Ministeriums gehören Kompetenzen in der Informatik heute zur Allgemeinbildung.

Neues Technik-Fach
An 66 Gymnasien mit naturwissenschaftlichem Profil startet im neuen Schuljahr das Fach Informatik-Mathematik-Physik (IMP). Es ermöglicht Schülern im Anschluss an den Informatik-Aufbaukurs, sich vertieft mit Informatik, Mathematik und Physik auseinanderzusetzen. Das Fach soll die Jungen und Mädchen bei der Wahl eines naturwissenschaftlich-technischen Studienfaches unterstützen.

Wirtschaft auch an Gymnasien
Bei dem Fach "Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung" waren die Siebtklässler der Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen im Schuljahr 2017/18 Pioniere. Im neuen Schuljahr startet das Fach auch an den Gymnasien – beginnend mit Klasse 8. Schüler sollen so eine ökonomische Grundbildung und Hilfe bei der Ausbildungs- und Studienwahl bekommen. Es geht dabei etwa um die Bedeutung des Sparens oder die unterschiedlichen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.