Mit vitaler Ausstrahlung, Humor und Herzlichkeit

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 11. August 2018

Laufenburg

Die Schweizer Sängerin Dodo Hug und ihre Band begeistern das Publikum bei den Kulturtagen Laufenburg mit Facettenreichtum.

LAUFENBURG. Das Zauberwort gab Madame Dodo Hug selber vor: Vielfalt! Vielfältig in den Sprachen, Klangfarben und stilistischen Einflüssen ist das Programm "Cosmopolitana", mit dem die Schweizer Sängerin und ihre Band am Donnerstag in der Stadthalle in Laufenburg/Schweiz auftraten. Wohl selten hat ein Konzert so wunderbar zu den Kulturtagen "Fließende Grenzen" gepasst, denn Hug und ihre Mitmusiker heben die Grenzen zwischen den Genres auf, verbinden Menschen, Länder und Kulturen.

Es war eine Reise um die Welt, zu der die Sängerin, die verschiedene Gitarren, Perkussion und Akkordeon spielt, und ihr Ensemble die Zuhörer mitnahmen. Dodo Hug, mit farbiger Schleife im blonden Haar, erobert das Publikum mit vitaler Ausstrahlung, Humor, Herzlichkeit und der vollen, großen, kräftigen Stimme. An der Seite hat sie exzellente Mitmusiker, den Bassisten Stefano Neri, die Co-Sängerin und Perkussionistin Yvonne Baumer und den sardischen Gitarristen, Sänger und Komponisten Efisio Contini, der selbst einige Titel beisteuert.

Die polyglotte Dodo Hug singt auf schwyzerdütsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, ihre Lieder sind inspiriert von Volksmusik, Folk, Jazz, Blues, Pop, Chanson und dem Singer-Songwriter-Stil. Bei aller rhythmischen Vitalität, aller instrumentalen Klangfarbigkeit haben die Lieder Tiefgang und gesellschaftspolitische Relevanz.

Diese Botschaft von Offenheit und Menschlichkeit wird schon im hinreißenden Titelsong "Cosmopolitana" deutlich. In der Nummer "Tombola" singt Hug davon, dass das Leben eine große Tombola sei, bei der man gewinnen oder verlieren kann. Wenn Hug im Dialekt von der Sehnsucht nach Nähe und Mitmenschlichkeit singt, wie in "La mi no a chly", klingt das berührend, weil es aus dem Herzen kommt. Von suggestiver Eindringlichkeit ist "Laki Penan" für den im Dschungel verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser. In mystische Gefilde führen Hug und ihre Mitmusiker in "Mondtambourin". Im bläulichen Bühnenlicht erzeugen die magischen Klänge und der Gesang von Wolken, Nachtstimmung und Träumen eine poetische Atmosphäre.

Einige Lieder beschäftigen sich mit dem Thema Emigration, mit Schicksalen von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Efisio Continis Lied "Ronda Final", halb spanisch, halb italienisch, ist einem antifaschistischen Freiheitskämpfer gewidmet, der nach Kuba und Mexiko emigrieren musste, sich Revolutionären anschloss und bei einem Aufstand ums Leben kam. In "Storia Migratoria" greifen Hug und Band mit eindringlicher Intensität die uralte Geschichte der Migration und der Völkerwanderungen auf. Auch in "Emigrant Eyes" erzählen sie von Menschen, die einst ohne Hab und Gut nach Amerika ausgewandert sind. Aufwühlende Lieder, die unter die Haut gehen.

Beim Schlusssong fangen Zuschauer an zu tanzen

Doch es macht den besonderen Charakter dieses Konzerts aus, dass es so viele Facetten hat. Einen nostalgischen Touch bringt Hug in dem Song "Cuba" von Irving Berlin aus den 20er Jahren ein, der an die Zeit der Prohibition erinnert. Zwischendurch schwenkt sie wieder ins Schwyzerdütsch, etwa in dem ironischen Lied "Bittibätti", oder hat einen frühen Titel dabei, der immer noch topaktuell klingt: "Cosmetic Emotion", ein witzig-hintergründiges Lied über Schönheitswahn. Ob im Rap-Stil mit hartem Rhythmus wie in "Poverty Line" oder im lebensfrohen, mitreißenden südamerikanischen Sound wie in "Soy Loco": Dodo Hug und ihre Band bewegen sich in allen weltmusikalischen Stilen voller Verve und inspirierender Spielfreudigkeit.

Beim vor Vitalität sprühenden Schlusssong "La vida es un carnaval" fangen einige Besucher sogar an zu tanzen. Das begeisterte Publikum in der gut gefüllten Halle klatscht sich drei Zugaben heraus, darunter eine Naturhymne aus Kolumbien und ein sardisches Liebeslied. Ein wunderschöner Abend!