Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. September 2017

Schweiz

Neun Wildschweine streifen durch Aarauer Altstadt

Videokamera zeichnet eine Rotte in Aarau auf / Jagdaufseher gibt Tipps für möglichen Kontakt.

  1. Eine Überwachungskamera in der Schweizer Stadt Aarau hat eine Rotte mit neun Wildschweinen in der Altstadt aufgezeichnet. Foto: Symbolfoto: dpa

AARAU / KANTON AARGAU. Neun Wildschweine gingen in der Schweizer Kantonshauptstadt Aarau in die Video-Falle. "Daran müssen wir uns gewöhnen", sagt Jagdaufseher René Senn über die Invasion der Wildtiere. Fuchs, Dachs, Marder – die Altstadtbewohner sind in Sachen Wildtiere vor der Haustür bereits Einiges gewohnt. Doch die Wildschweinrotte, die nun munter in die Altstadt hinauf trottete und dabei von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde, war ein ungewohnter Anblick.

"Wildschweine haben schon im Ortsteil Rohr oder im Schachen Gärten und Wiesen durchwühlt", sagt René Senn. Vergangene Woche wurde außerdem eine Rotte – das ist ein Zusammenschluss mehrerer Wildschweine – beim Durchschwimmen der Aare zwischen Niedergösgen und Schönenwerd beobachtet. "Dass sie nun aber in der Altstadt auftauchen, ist neu", so Senn. Richtig überrascht darüber sei er aber nicht. "Heute ist diesbezüglich nichts mehr unmöglich. Wir müssen uns an Wildtiere in unserer unmittelbaren Nachbarschaft gewöhnen." Er vermutet, dass die Tiere aus der Gegend um Küttigen im Fricktal stammen, dort sei der Bestand groß. Was die Rotte in der Stadt gesucht haben könnte, darüber lasse sich nur spekulieren.

Werbung


Dass sie wie Fuchs und Dachs im Abfall nach Essbarem suchen, glaubt Senn weniger, auch wenn die Sau als Allesfresser auch hier fündig würde. "Die Wildschweine haben vermutlich einen Weg in den Süden gesucht." Ein Weg, der ihnen nicht nur durch die Aare, sondern auch durch die Autobahn und die Bahnlinie versperrt bleibt. Da nützen laut Senn auch die Wildtierkorridore nur beschränkt etwas. "Wildschweine sind nicht standortbestimmt und sind immer auf der Suche nach neuen Gebieten, die sie entdecken können. Wildschweine sind Wundernasen", sagt Senn.

Anders als Füchse oder Dachse kommen Wildschweine nicht einzeln daher. So zählte die Rotte von letzter Woche vier Bachen und fünf Jungtiere. Was, wenn man einer solchen Rotte in der Stadt über den Weg läuft? "Ruhe bewahren", meint Senn, "und den Tieren aus dem Weg gehen". In der Regel würden auch die Wildschweine dem Menschen ausweichen. Eine Gefahr gehe von den Tieren erst aus, wenn man sie in die Enge treibt. "Solange man den gesunden Menschenverstand walten lässt, geschieht nichts." Trotzdem hofft Senn, dass der Ausflug der Rotte einmalig bleibt. "Wildtiere in städtischem Umfeld verunsichern die Leute. Und unsichere Leute reagieren oft auch falsch."

Kritisch werde es dann, wenn die Leute die Tiere füttern. Ab dann hätten sie allen Grund, regelmäßig wiederzukommen. Einen Weg, die Wildschweine aus der Stadt fernzuhalten, sieht René Senn nicht. "Das sind Wildtiere, die bewegen sich so, wie es ihnen passt", sagt der Jagdaufseher und verweist auf Berlin, wo geschätzt rund 4000 Wildschweine leben und – obwohl eigentlich nachtaktiv – auch am heiterhellen Tag durch die Stadt spazieren.

Autor: Katja Schlegel