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07. August 2012 15:52 Uhr

Stuttgarter Naturkundemuseum

Spektakulärer Saurierfund schlummert 37 Jahre im Lager

Mit einiger Verzögerung taucht im Stuttgarter Naturkundemuseum ein spektakuläres Fossil auf: Im Lager des Museums schlummerte 37 Jahre lang ein außergewöhnlicher Fischsaurier. Erst eine kanadische Gastwissenschaftlerin erkannte die Bedeutung des Fundes.

  1. Aus dem Lager aufgetaucht: der Ichthyosaurier in Stuttgart Foto: dpa

Warum ist der Fund spektakulär?
Der Fund im Magazin des Stuttgarter Naturkundemuseums wirft neues Licht auf die Entwicklung der Fischsaurier. Er stammt aus einer Zeit, die bisher weltweit als "saurierfundfrei" galt. "Mit dem weltweit ersten Skelett aus dem Braunen Jura wird eine Lücke in der Geschichte der Fischsaurier geschlossen", erläuterte der Saurierexperte des Museums, Rainer Schoch, am Dienstag in Stuttgart.

Woher weiß man, wie alt der gefundene Fischsaurier ist?
Das Exemplar aus einer Tongrube bei Heiningen (Kreis Göppingen) ließ sich durch die auf ihm gefundenen Indexfossilien, einer nur zu einer bestimmten Zeit existierenden Kopffüßerart, datieren. Es unterscheidet sich von den Fischsauriern davor und danach hinsichtlich Zähnen, Augenhöhlen, Schädel- und Flossenform und bildet damit eine eigene Gattung.

Wo wurde das Fossil gefunden?
Das Skelett der 7,5 Meter langen Meeresechse wurde bereits 1975 in einer Tongrube nahe Heiningen am Fuße der Schwäbischen Alb geborgen. Erst die kanadische Gastwissenschaftlerin am Stuttgarter Naturkundemuseum und Fischsaurierexpertin Erin Maxwell erkannte vor kurzem die Bedeutung des Fundes, der 37 Jahre im Magazin des Museums schlummerte. Die derart verspätete Entdeckung führt Schoch auch auf die Fülle des Materials in den Magazinen des Museums zurück. Dort sind allein 90 000 Saurierstücke gelagert, jedes Jahr kommen Tausende hinzu und bieten Arbeit für die nächsten Jahrhunderte. Schoch: "Die Forscher stehen ständig vor der Frage, was untersuchen wir als Nächstes."

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Welche Ursprünge haben Fischsaurier?
Vor 250 Millionen Jahren gingen Echsen ins Wasser und entwickelten sich zu Fischsauriern. Viel später eroberten auch hundeartige Wesen den Lebensraum Wasser und wurden zu Walen. Diese wären gar nicht entstanden, wenn nicht zuvor – etwa vor 100 Millionen Jahren – die als "moderne Fischsaurier" geltenden Meeresechsen ausgestorben wären, weiß der Saurierexperte Rainer Schoch vom Stuttgarter Museum.

Wie sahen die Fischsaurier aus?

Die Tiere ähnelten den heutigen Delfinen, hatten glatte Haut, eine Rücken- und eine Schwanzflosse. Letztere war allerdings wie beim Hai senkrecht gestellt. In Kanada gefundene Exemplare wurden mehr als 20 Meter lang; der jetzt vorgestellte einzigartige Fischsaurier war vermutlich zwischen 7,5 und 8 Metern lang. Die Ichthyosaurier lebten im Salzwasser möglicherweise wie Delfine in Schulen zusammen. "Allerdings konnten sie nicht so schön aus dem Wasser springen", erzählt Schoch.

Wie pflanzten sich die Fischsaurier fort?
Zwar legen die meisten Reptilien Eier, doch gibt es auch lebendgebärende, zu denen die Fischsaurier gehörten. Das Männchen befruchtete die Eier im Körper des Weibchens, aus denen in der Regel ein bis zwei Babys schlüpften. Sie hatten bereits ein vollständig entwickeltes Gebiss und mussten sich vom ersten Tag an selbst ernähren. "Das Meer war damals voll von anderen Meerechsen, kleineren Krokodilen, Tintenfischen und Fischen, den Lieblingsspeisen der Fischsaurier", berichtet Schoch. "Die Fischsaurier waren die größten Raubtiere im Urzeitmeer."

Wann verschwanden die Fischsaurier?
Die Fischsaurier-Zeit endete vor 93 Millionen Jahren. Die Gründe sind allerdings unklar. Denn sie verschwanden auch vor den Dinosauriern von der Erdoberfläche, für deren Aussterben zumindest verschiedene Theorien wie ein Meteoriteneinschlag oder eine Klimaabkühlung kursieren. Während die Dinosaurier in den Vögeln weiterleben, gibt es keine Nachfahren der Meeresechsen. Ihre biologische Nische wurde später von den Mosasauriern besetzt, einer Art großer Wasserschlangen. Diese starben mit den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren aus.

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Autor: Julia Giertz, dpa