"Der Anlagehorizont sollte mindestens fünf, besser zehn Jahre sein"

rolf

Von rolf

Sa, 18. August 2018

Wirtschaft

BZ-INTERVIEW mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur und Geschäftsführer des Verbraucherportals Finanztip, zu den Vor- und Nachteilen nachhaltiger Anlagen.

Die Geldanlage für das gute Gewissen ist in Deutschland noch nicht sehr verbreitet. Was Anleger beachten sollten, fragte Rolf Obertreis den Finanzexperten Hermann-Josef Tenhagen.

BZ: Fonds, Anleihen, Aktien, Beteiligungen – welche Öko-Anlage macht Sinn?
Tenhagen: Es gibt zwei Wege: Wer Interesse hat, sich aber nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen kann oder will, der kauft einen ethischen, börsengehandelten Indexfonds (ETF). Das ist eine gute und ethisch vertretbare Geldanlage. Wer strengere Kriterien wünscht, für den bietet sich ein gemanagter Öko-Fonds an. Aber da sollte man die Anlagekriterien genau kennen und das Fondsmanagement im Blick haben. Einzelne Aktien sind eine Option, aber das Risiko ist bedeutend höher.
BZ: Wie lang sollte der Anlagehorizont sein?
Tenhagen: Mindestens fünf, eher zehn Jahre und länger. Je länger, desto besser. Desto weniger machen dem Anleger Schwankungen zu schaffen.

BZ: Es gibt in Deutschland auch nachhaltig ausgerichtete Banken, ethische oder kirchliche Institute. Ist das eine Option?
Tenhagen: Wem solche Kriterien wichtig sind, für den ist das Konto bei einer solchen Bank und die Geldanlage dort sicher sinnvoll. Das kann aber etwas teurer sein und die Rendite ist oft schlechter als bei klassischen Instituten. Das eingesammelte Kapital wird an kleine, soziale und ökologische Projekte als Kredit ausgereicht. Da ist die Spanne meist nicht so groß.
BZ: Sehen Sie auch Optionen bei Großbanken, Sparkassen und Volksbanken?
Tenhagen: Natürlich gibt es Möglichkeiten. Die Institute wissen, dass die Kunden für das Thema sensibilisiert sind. Aber besonders entschlossen handeln sie nicht, und vor Ort fehlt den Mitarbeitern das Know-how für nachhaltige Geldanlagen. Und Indexfonds, auch ethische, verkaufen sie nicht, weil sich das Geschäft wegen der geringen Provision für die Bank nicht so sehr lohnt.

BZ: Nicht selten versprechen Offerten fünf oder sogar bis zu zwölf Prozent Rendite, etwa Bauminvestments. Das klingt sehr attraktiv.
Tenhagen: Da kann ich nur sagen: Finger weg. Die Risiken sind erheblich, da kann das Geld schnell weg sein. Ich kann etwa die Bäume vieler Waldinvestments nicht mal anschauen. Bei solchen Themen muss man sich auskennen.
BZ: Wie wird sich der Markt für nachhaltige Anlagen entwickeln?
Tenhagen: Die Nachfrage wird steigen. Dieser Sommer mit Hitze und Dürre führt uns vor Augen, wie sich Umwelt verändert. Der ökologische Fußabdruck muss kleiner werden. Ein Weg ist die nachhaltige Geldanlage und damit die Unterstützung von Unternehmen, die den Klimawandel im Blick haben und die Umweltbelastungen minimieren.

Hermann-Josef Tenhagen (55) leitet seit 2014 das Ratgeberportal Finanztip (eine gemeinnützige GmbH) in Berlin.