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22. Januar 2011

Der Unverdrossene

Eckhard Schmieder bewirtschaftet den Prinzbachhof in Fischerbach und ist mit einer 77-Stunden-Woche zufrieden.

  1. Schwarzwälder Kuh Foto: Scherfling

Auch in Südbaden stecken viele Landwirte auf. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Milchbauern, die die Freiburger Molkerei Schwarzwaldmilch (früher Breisgaumilch) beliefern, von 2400 auf 1600 gesunken. Die Molkerei verarbeitet aber unverändert rund 200 Millionen Liter Milch im Jahr. Die Landwirte, die weitermachen, bewirtschaften größere Höfe.

Einer von denen, die unverdrossen ihren Hof bewirtschaften, ist der 57-jährige Eckhard Schmieder. Er besitzt in der 23. Generation den Prinzbachhof in Fischerbach, in einem Seitenast des Kinzigtals. Der 1346 erstmals erwähnte Hof hat sich – Tradition hin, Tradition her – in den 40 Jahren, in denen Schmieder das Heft in der Hand hat, gewaltig verändert. "Meine Eltern hatten sechs Kühe im Stall, heute sind es mehr als 50", berichtet er. Hinzu kommen 70 Jungtiere, denn Schmieder sorgt selbst für die Nachzucht. Die Milch mit ihren schwankenden Preise ist aber nicht das einzige Bein, auf dem der Prinzbachhof ruht.

Schmieder und seine Familie bewirtschaften fast 40 Hektar Wald. Zur Zeit sind die Holzpreise hoch, Christbäume und Tannenreisig bringen zur Weihnachtszeit Einnahmen. Aus dem Obst der Streuobstwiesen auf 56 Hektar Wiesen und Weiden brennt er

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Schnaps. Schmieder tut das, was im Schwarzwald Tradition besitzt: Er hat seinen Betrieb auf mehrere Beine gestellt. "Ich bin keiner, der jammert, ich schaue nach vorn – wo sind Möglichkeiten", sagt Schmieder. "Nicht machen, was andere machen, sondern einen Weg finden, der zu mir passt", heißt sein Motto. Schmieder, der vier Kinder hat, sagt aber auch: "Die Familie muss mitziehen."

2,5 bis 3,5 Prozent der Landwirte in der Region hören jedes Jahr auf, hat Dieter Blaeß beobachtet, der Chef der Landwirtschaftsabteilung des Regierungspräsidiums in Freiburg. "Aber es gibt eine breite Streuung", sagt er. "Es gibt Betriebe, die sehr ordentliche Einkünfte haben und es gibt Betriebe, die schlecht wirtschaften." Wer mehrere Einnahmequellen hat, muss an vielen Stellen anpacken. Die Arbeitswoche habe in der Regel 76 bis 77 Stunden, sagt Eckhard Schmieder, der darüber Buch geführt hat. Die Kühe wollen auch sonn- und feiertags gemolken sein. Die Arbeit in den steilen Hängen – 13 Hektar haben eine Neigung von mehr als 50 Prozent – ist mühsam. Schmieder sagt: "Ich bin zufrieden", und er ist sicher, dass sein 19-jähriger Sohn, der die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister absolviert, den Hof übernehmen wird.

Autor: Jörg Buteweg