HINTERGRUND

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Sa, 25. August 2018

Wirtschaft

Arbeit ohne Lohn? Ein alter Streit

Dass Auszubildende im offiziellen Sprachgebrauch keinen Lohn oder ein Gehalt, sondern eine Vergütung bekommen, hat historische Wurzeln. Bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts sahen Gewerkschaften das Lehrverhältnis als Arbeitsverhältnis und die Lehrlingsvergütung als Lohn für die geleistete Arbeit. Das Handwerk hingegen verstand darunter eine reine Erziehungsbeihilfe zur Deckung der Lebenshaltungskosten. "Jeglicher Zusammenhang zwischen Vergütungszahlungen und Arbeitsleistungen der Lehrlinge wurde vom Handwerk bestritten", schreibt Ursula Beicht in ihrer Studie zur Langzeitentwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütung in Deutschland, die 2011 in der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn (BIBB) erschienen ist. Dieser Streit zog sich durch die Jahrzehnte – bis das Bundesarbeitsgericht 1962 schließlich entschied, "dass die Lehrlingsvergütung beide Funktionen besitze, also sowohl Unterhaltsbeihilfe als auch Entlohnung für geleistete Arbeit darstelle", wie Beicht berichtet. "Diese Auffassung schlug sich auch im Berufsbildungsgesetz (BBiG) von 1969 nieder, das die betriebliche Berufsausbildung in der Bundesrepublik Deutschland erstmals umfassend regelte und bis heute die gesetzliche Grundlage bildet. Seitdem hat jeder Auszubildende gegenüber seinem Ausbildungsbetrieb einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung", erläutert Beicht. Was angemessen ist, hat das Bundesarbeitsgericht später klargestellt: höchstens 20 Prozent unter den tariflichen Sätzen der betreffenden Branche und Region.